Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

41/01 Sicherheitsrecht

Norm

SPG 1991 §3
SPG 1991 §40
SPG 1991 §5

Rechtssatz

Paragraph 40, SPG 1991 ermächtigt die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes (Paragraph 5, SPG 1991) zur Personendurchsuchung im Dienste der allgemeinen Sicherheitspolizei (Paragraph 3, SPG 1991). Die Durchsuchung nach Paragraph 40, SPG 1991 stellt einen Verwaltungsakt dar, der in Ausübung unmittelbarer Befehls- und Zwangsgewalt gesetzt wird vergleiche zur Durchsuchung als "unmittelbare Ausübung behördlicher Befehls- und Zwangsgewalt" nach der Rechtslage vor Inkrafttreten des SPG 1991 bereits VwGH 7.11.1990, 90/01/0195).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L01

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L01

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
19/05 Menschenrechte
41/01 Sicherheitsrecht

Norm

MRK Art3
MRK Art8
SPG 1991 §40
VwRallg

Rechtssatz

Eine Personendurchsuchung greift in der Regel in die Grundrechte nach Artikel 3 und 8 EMRK ein vergleiche die MaterialienErläutRV 148 BlgNR 18. Gesetzgebungsperiode 41: "Die Personsdurchsuchung steht in Österreich unter dem Schutz der Artikel 3 und 8 EMRK.").

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Verhältnis der wörtlichen Auslegung zur teleologischen und historischen Auslegung Bedeutung der Gesetzesmaterialien VwRallg3/2/2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L12

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L02

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

41/01 Sicherheitsrecht

Norm

SPG 1991 §40 Abs1

Rechtssatz

Die "Durchsuchung von Menschen" nach Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 ist nicht Selbstzweck. Sie ist final darauf gerichtet, sicherzustellen, dass die untersuchte Person während ihrer Anhaltung weder ihre eigene körperliche Sicherheit noch die anderer Personen gefährdet bzw. dass sie nicht flüchtet vergleiche VwGH 29.7.1998, 97/01/0102, 0103).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L02

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L03

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
41/01 Sicherheitsrecht

Norm

SPG 1991 §40 Abs1
VwRallg

Rechtssatz

Die Anwendung des Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 setzt nach dem klaren Wortlaut der Bestimmung (arg: "Menschen, die festgenommen worden sind") die Festnahme der zu durchsuchenden Person durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes voraus. In diesem Sinn hat der VwGH bereits in seiner älteren Rechtsprechung zu Paragraph 40, (Absatz eins,) SPG 1991 auf das tatbestandsmäßige Erfordernis einer "Festnahme" abgestellt vergleiche etwa VwGH 30.1.2001, 2000/01/0018: "Eine Festnahme der Mitbeteiligten lag ... nicht vor ..."; vergleiche auch VwGH 29.7.1998, 97/01/0102, 0103).

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Bindung an den Wortlaut des Gesetzes VwRallg3/2/1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L08

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L04

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

41/01 Sicherheitsrecht

Norm

SPG 1991 §40 Abs1
SPG 1991 §40 Abs2
SPG 1991 §40 Abs4

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2015/03/0076 E 30. März 2017 RS 3 (hier ohne den letzten Satz)

Stammrechtssatz

Die Durchsuchungsbefugnis nach Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 setzt - anders als die nicht auf festgenommene Personen beschränkte Regelung nach Absatz 2, - nicht das Vorliegen bestimmter Tatsachen voraus, aufgrund derer zu vermuten sei, der in einem Zusammenhang mit einem gefährlichen Angriff stehende Betreffende, hätte "einen Gegenstand bei sich, von dem Gefahr ausgeht". Sie ist vielmehr in jedem Fall einer Festnahme zulässig, allerdings ausschließlich zu dem Zweck sicherzustellen, dass die festgenommene Person während ihrer Anhaltung weder ihre eigene körperliche Sicherheit, noch die von anderen gefährdet und dass sie nicht flüchten kann. An diesem Zweck ist die Intensität der Durchsuchung zu messen, was unter Umständen - wenn etwa zu vermuten wäre, die zu durchsuchende Person habe unmittelbar an ihrem Körper sicherheitsgefährdende oder fluchtbegünstigende Gegenstände befestigt - auch ein völliges Entkleiden der festgenommenen Person rechtfertigen kann. Grundsätzlich haben sich gemäß Paragraph 40, Absatz 4, erster Halbsatz SPG 1991 - außer bei Vorliegen der in Absatz 4, zweiter Halbsatz genannten Voraussetzungen - Durchsuchungen nach Paragraph 40, SPG 1991 auf die Durchsuchung der Kleidung und eine Besichtigung des Körpers zu beschränken vergleiche VwGH vom 29. Juli 1998, 97/01/0102).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L03

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L05

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

25/01 Strafprozess
40/01 Verwaltungsverfahren
41/01 Sicherheitsrecht

Rechtssatz

Für eine Personendurchsuchung nach Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 ist es unerheblich, auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmung ein Mensch festgenommen wurde; die Festnahme durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes kann daher nicht nur auf der Grundlage des SPG 1991 vergleiche Paragraph 45,), des VStG vergleiche Paragraph 35,) oder sonstiger Verwaltungsvorschriften, sondern auch auf der Grundlage der StPO 1975 erfolgen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L04

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L06

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

41/01 Sicherheitsrecht

Norm

SPG 1991 §40 Abs1

Rechtssatz

Für die Anwendung des Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 ist eine "Festnahme" durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes erforderlich. Dabei kommt es aber auf die gesetzliche Grundlage, nach der die Festnahme erfolgte, nicht an vergleiche VwGH 29.7.1998, 97/01/0102, 0103). Diese Sichtweise wird durch die jüngere Rechtsprechung des VwGH bestätigt, in der in Bezug auf Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 auf die "Festnahme" bzw. den Zweck der Durchsuchung - eine Eigen- oder Fremdgefährdung bzw. eine Flucht "während der Anhaltung" zu verhindern -, abgestellt wird vergleiche VwGH 5.12.2017, Ra 2017/01/0373, 30.3.2017, Ra 2015/03/0076).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L11

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L07

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

10/10 Grundrechte

Norm

PersFrSchG 1988 Art1 Abs2

Rechtssatz

Von einer Festnahme (Artikel eins, Absatz 2, PersFrSchG 1988) kann nur dann die Rede sein, wenn der Wille der Behörde primär auf eine Freiheitsbeschränkung gerichtet ist, nicht aber auch dann, wenn eine andere Maßnahme den Betroffenen dazu nötigt, längere Zeit bei der Behörde oder ihren Hilfsorganen zu verweilen, diese Beschränkung der Freiheit also (nur) die sekundäre Folge der Bewegungsbehinderung oder einer Anwesenheitspflicht ist (es sei denn, die betreffende Person wäre durch die Maßnahme im konkreten Fall in einer einer Festnahme gleichkommenden Weise in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt worden; vergleiche aus der diesbezüglich ständigen Judikatur des VfGH etwa VfSlg. 15.372, mwN; vergleiche zum Aspekt der "Freiheitsentziehung" als Merkmal einer Festnahme auch VwGH 15.11.2000, 99/01/0067).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L05

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L08

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

9

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

25/01 Strafprozess

Norm

StPO 1975 §153 Abs3

Rechtssatz

Bei einer Vorführung nach Paragraph 153, Absatz 3, StPO 1975 handelt es sich um eine strafprozessuale Zwangsmaßnahme, mit der die Vernehmung einer Person zur Aufklärung einer Straftat bzw. die Beweisaufnahme sichergestellt werden soll. Die Vorführung ordnet gemäß Paragraph 153, Absatz 3, erster Satz StPO 1975 (grundsätzlich) die Staatsanwaltschaft, in den Fällen der Paragraphen 104, 105 und 107 StPO 1975 das Gericht, an. Nach dem letzten Satz des Paragraph 153, Absatz 3, StPO 1975 erfolgt die Vorführung einer Person unter den dort genannten Voraussetzungen hingegen "durch die Kriminalpolizei von sich aus." Die Bestimmung normiert eine Kompetenz der Kriminalpolizei für die sofortige Vorführung eines Beschuldigten ohne vorhergehende Anordnung der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts vergleiche OLG Graz vom 15.3.2012, 10 Bs 440/11y).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L09

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L09

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

10

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
25/01 Strafprozess
41/01 Sicherheitsrecht

Norm

B-VG Art130 Abs1 Z2
SPG 1991 §2
SPG 1991 §3
SPG 1991 §88 Abs1
StPO 1975 §153 Abs3
  1. B-VG Art. 130 heute
  2. B-VG Art. 130 gültig ab 01.02.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2019 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  5. B-VG Art. 130 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  6. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2015 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  7. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2013
  8. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  9. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  10. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  11. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  12. B-VG Art. 130 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  13. B-VG Art. 130 gültig von 18.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  14. B-VG Art. 130 gültig von 25.12.1946 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  15. B-VG Art. 130 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  16. B-VG Art. 130 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Rechtssatz

Bei einer Vorführung nach Paragraph 153, Absatz 3, letzter Satz StPO 1975 handelt es sich um ein (selbständiges) Einschreiten von Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes im Rahmen der StPO 1975 zur Aufklärung und Verfolgung einer Straftat. Dieses Handeln im Dienst der Strafjustiz ("Kriminalpolizei") zählt nicht zur Sicherheitspolizei bzw. Sicherheitsverwaltung; es handelt sich dabei jedoch um die Ausübung unmittelbarer Befehls- und Zwangsgewalt, die mit Maßnahmenbeschwerde beim LVwG bekämpfbar ist vergleiche VwGH 10.11.2021, Ra 2021/01/0211, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L06

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L10

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

11

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

10/10 Grundrechte
19/05 Menschenrechte
25/01 Strafprozess
40/01 Verwaltungsverfahren
41/01 Sicherheitsrecht
41/02 Asylrecht
41/02 Passrecht Fremdenrecht

Norm

AVG §19 Abs3
BFA-VG 2014 §40 Abs1
FPG 2005 §39 Abs1
MRK Art5 Abs1 litc
PersFrSchG 1988 Art2 Abs1 Z3
SPG 1991 §40 Abs1
SPG 1991 §46
StPO 1975 §153 Abs3
StPO 1975 §176 Abs3
StPO 1975 §221 Abs1
StPO 1975 §242 Abs1
VStG §35

Rechtssatz

Eine (zwangsweise) Vorführung vergleiche neben Paragraph 153, Absatz 3, StPO 1975 etwa auch Paragraph 176, Absatz 3,, Paragraph 221, Absatz eins und Paragraph 242, Absatz eins, StPO 1975; vergleiche weiters etwa Paragraph 46, SPG 1991, Paragraph 19, Absatz 3, AVG) bewirkt zwar eine vorübergehende Einschränkung der persönlichen Freiheit der vorgeführten Person und stellt solcherart einen Eingriff in das Grundrecht auf persönliche Freiheit dar vergleiche etwa VfSlg. 12.656 betreffend Vorführung nach Paragraph 19, Absatz 3, AVG; VfSlg. 13.096 betreffend Vorführung zur Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe). Der mit der Vorführung intendierte Zweck liegt jedoch - anders als bei einer Festnahme - nicht in der Freiheitsentziehung bzw. Freiheitsbeschränkung, sondern in der Überstellung einer Person an eine Verwaltungsbehörde oder ein Gericht, und zwar zu Zwecken der Teilnahme an einer Verhandlung, Einvernahme, Beweisaufnahme, ärztlichen Untersuchung, des Antritts einer Freiheitsstrafe etc. Eine Vorführung (hier: nach Paragraph 153, Absatz 3, StPO 1975) ist demnach keine Festnahme im Sinn des Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991. Dies erhellt im Übrigen auch daraus, dass die Rechtsordnung an verschiedenen Stellen eine Festnahme gerade zum Zweck einer Vorführung (vor eine Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde) vorsieht und demnach klar zwischen diesen beiden Maßnahmen unterscheidet vergleiche etwa Artikel 5, Absatz eins, Litera c, EMRK, Artikel 2, Absatz eins, Ziffer 3, PersFrSchG 1988; Paragraph 35, VStG; Paragraph 39, Absatz eins, FrPolG 2005; Paragraph 40, Absatz eins, BFA-VG 2014). Einer Vorführung kann sohin - in den gesetzlich geregelten Fällen - die Festnahme der vorzuführenden Person vorangehen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L10

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L11

Rechtssatz für Ra 2021/01/0410

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

12

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0410

Entscheidungsdatum

14.12.2022

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
19/05 Menschenrechte
25/01 Strafprozess
41/01 Sicherheitsrecht

Norm

B-VG Art18
MRK Art3
MRK Art8
SPG 1991 §40 Abs1
StPO 1975 §153 Abs3
  1. B-VG Art. 18 heute
  2. B-VG Art. 18 gültig ab 01.07.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  5. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  6. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.1996 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  7. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1997 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  8. B-VG Art. 18 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1996 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 18 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Rechtssatz

Bei der Regelung des Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 handelt es sich - infolge der mit einer Personendurchsuchung in der Regel verbundenen Grundrechtseingriffe - um ein sog. eingriffsnahes Gesetz, woraus sich im Hinblick auf den aus Artikel 18, B-VG abzuleitenden Grundsatz der hinreichenden Bestimmtheit gesetzlicher Regelungen das Erfordernis einer besonders genauen Determinierung des Eingriffstatbestandes ergibt vergleiche etwa VfSlg. 16.566). Ausgehend von diesen Grundsätzen lässt die in Paragraph 40, Absatz eins, SPG 1991 normierte Beschränkung der Personendurchsuchung auf Fälle einer "Festnahme" keine planwidrige Unvollständigkeit der Bestimmung erkennen bzw. verbietet sich die Ausdehnung des Anwendungsbereichs (im interpretativen Weg) auf Fälle der "Vorführung" aus verfassungsrechtlichen Erwägungen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2021010410.L07

Im RIS seit

01.02.2023

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2026

Dokumentnummer

JWR_2021010410_20221214L12