Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2017/17/0391

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2017/17/0391

Entscheidungsdatum

27.09.2018

Index

34 Monopole
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

GSpG 1989 §52 Abs1 idF 2010/I/111;
GSpG 1989 §52 Abs1 idF 2014/I/013;
GSpG 1989 §52 Abs2 idF 2014/I/013;
VStG 1991 §1 Abs2;

Rechtssatz

Bei der Prüfung iSd Paragraph eins, Absatz 2, VStG kommt es nicht darauf an, welche Strafe tatsächlich über den Täter verhängt wird, sondern auf die Strafdrohung. Der Vergleich ist nicht bloß im Hinblick auf die Höhe der jeweils angedrohten Geldstrafe abzustellen; bei Verschiedenheiten der Strafdrohungen kommt es auf die Bewertung der "Gesamtauswirkung" an vergleiche VwGH 24.4.2014, 2012/02/0299, mwN). Bei der Beurteilung der Gesamtauswirkungen ist zu beachten, dass die Intention des Gesetzgebers dahin ging, mit der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 13 aus 2014, aus Gründen der General- und Spezialprävention die Strafen grundsätzlich zu verschärfen. Dies zeigt sich bereits in der Erhöhung der Höchststrafe bei Übertretung des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG um ein Vielfaches (EUR 60.000,-- statt EUR 22.000,--). Dazu kommt, dass durch die Novelle bei Übertretungen mit Glücksspielautomaten eine Mindestgeldstrafe von EUR 1.000,-- vorgesehen wurde. Selbst wenn in Einzelfällen durch die nunmehrige Staffelung allenfalls geringere Höchststrafen zur Anwendung gelangen sollten, erweist sich Paragraph 52, Absatz eins, GSpG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 111 aus 2010, insgesamt günstiger im Sinne des Paragraph eins, Absatz 2, VStG als Paragraph 52, Absatz eins und Absatz 2, GSpG nach Inkrafttreten der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 13 aus 2014,.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2017170391.L02

Im RIS seit

24.10.2018

Zuletzt aktualisiert am

13.12.2018

Dokumentnummer

JWR_2017170391_20180927L01

Rechtssatz für Ra 2017/17/0391

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2017/17/0391

Entscheidungsdatum

27.09.2018

Index

19/05 Menschenrechte

Norm

MRK Art6 Abs1;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2003/10/0002 E 3. November 2008 VwSlg 17565 A/2008 RS 1

Stammrechtssatz

Die Angemessenheit der Verfahrensdauer im Sinne des Artikel 6, Absatz eins, EMRK ist nach der Rechtsprechung des EGMR nicht abstrakt, sondern im Licht der besonderen Umstände jedes einzelnen Falles zu beurteilen. Die besonderen Umstände des Einzelfalles ergeben sich aus dem Verhältnis und der Wechselwirkung verschiedener Faktoren. Neben Faktoren, welche die Verfahrensdauer beeinflussen, nämlich die Schwierigkeit des Falles, das Verhalten des Beschwerdeführers und das Verhalten der staatlichen Behörden in dem bemängelten Verfahren, spielt die Bedeutung der Sache für den Beschwerdeführer als subjektives Element eine wichtige Rolle vergleiche etwa Miehsler/Vogler, Internationaler Kommentar zur EMRK, 1986, Rz 310 zu Artikel 6, EMRK; EGMR 28.6.1978, König, EuGRZ 1978, 407 (417); 6.5.1981, Buchholz EuGRZ 1981, 490 (493); 13.7.1983, Zimmermann und Steiner, EuGRZ 1983, 483 (483)). Nicht die Verfahrensdauer schlechthin führt zu einer Verletzung, sondern nur eine Verzögerung, die auf die Versäumnisse staatlicher Organe zurückzuführen ist. Der Rechtsprechung des EGMR ist daher keine fixe Obergrenze für die Angemessenheit einer Verfahrensdauer zu entnehmen, ab deren Überschreitung jedenfalls eine Verletzung des Artikel 6, Absatz eins, EMRK anzunehmen wäre. Aus der Gesamtschau der diesbezüglichen Rechtsprechung ergibt sich aber, dass Verfahren, die länger als fünf Jahre dauern, nur in seltenen Fällen als angemessen angesehen wurden vergleiche Thienel, ÖJZ 1993, 473; ferner das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 5. Dezember 2001, B 4/01 = VfSlg. 16.385).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2017170391.L03

Im RIS seit

24.10.2018

Zuletzt aktualisiert am

13.12.2018

Dokumentnummer

JWR_2017170391_20180927L02

Rechtssatz für Ra 2017/17/0391

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2017/17/0391

Entscheidungsdatum

27.09.2018

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
19/05 Menschenrechte

Norm

MRK Art6 Abs1;
VwGG §42 Abs2 Z1;
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2003/10/0002 E 3. November 2008 VwSlg 17565 A/2008 RS 2

Stammrechtssatz

Nach Artikel 6, Absatz eins, EMRK hat das Gericht (Tribunal) innerhalb einer angemessenen Frist zu entscheiden. Diese Frist beginnt nach der Rechtsprechung des EGMR mit jenem Zeitpunkt, "in which a person is charged", dh. sobald ein Beschuldigter durch offizielle Mitteilung oder auch in sonstiger Weise darüber in Kenntnis gesetzt ist, dass gegen ihn wegen des Verdachts, eine strafbare Handlung begangen zu haben, Ermittlungen mit dem Ziel strafrechtlicher Verfolgung durchgeführt werden und seine Lage dadurch in erheblicher Weise beeinträchtigt wird vergleiche dazu Frowein/Peukert, Europäische Menschenrechtskonvention: EMRK - Kommentar, 19962, Rz 138 zu Artikel 6, EMRK).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2017170391.L04

Im RIS seit

24.10.2018

Zuletzt aktualisiert am

13.12.2018

Dokumentnummer

JWR_2017170391_20180927L03

Rechtssatz für Ra 2017/17/0391

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2017/17/0391

Entscheidungsdatum

27.09.2018

Index

19/05 Menschenrechte

Norm

MRK Art6 Abs1;

Rechtssatz

Nach der Rechtsprechung des EGMR und des Verfassungsgerichtshofes ist auch das Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof in die zu beurteilende Verfahrensdauer einzurechnen vergleiche VwGH 26.4.2010, 2004/10/0024).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2017170391.L05

Im RIS seit

24.10.2018

Zuletzt aktualisiert am

13.12.2018

Dokumentnummer

JWR_2017170391_20180927L04

Rechtssatz für Ra 2017/17/0391

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2017/17/0391

Entscheidungsdatum

27.09.2018

Index

19/05 Menschenrechte

Norm

MRK Art6 Abs1;

Rechtssatz

Es kann dem Revisionswerber nicht angelastet werden, wenn er zur Durchsetzung seiner Rechte - überdies erfolgreich - Rechtsmittel ergreift, sodass die lange Verfahrensdauer auch nicht seiner Sphäre zugerechnet werden kann (VwGH 29.1.2007, 2006/03/0155).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2017170391.L06

Im RIS seit

24.10.2018

Zuletzt aktualisiert am

13.12.2018

Dokumentnummer

JWR_2017170391_20180927L05