Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)
40/01 Verwaltungsverfahren
97 Öffentliches Auftragswesen

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ro 2015/04/0028 E 8. August 2018 RS 3

Stammrechtssatz

Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes handelt es sich bei einer Bietergemeinschaft im Sinn von Paragraph 2, Ziffer 14, BVergG 2006 um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, der grundsätzlich die Eigenschaft einer juristischen Person nicht zukommt. Ihr kommt jedoch soweit Parteifähigkeit zu, als das zu Grunde liegende Materiengesetz einer solchen Gesellschaft bürgerlichen Rechts selbständige, von ihren einzelnen Mitgliedern losgelöste materielle Rechte oder Verfahrensrechte einräumt vergleiche das - noch zu Paragraph 30, Absatz 2, BVergG 2002 ergangene, jedoch auf die geltende, im Wesentlichen inhaltsgleiche Rechtslage übertragbare - Erkenntnis VwGH 20.10.2004, 2004/04/0134, mwN). Vorliegend räumt Paragraph 20, Absatz 2, BVergG 2006 einer Bietergemeinschaft eine derartige selbständige, von ihren einzelnen Mitgliedern losgelöste materielle Rechtsstellung ein. Nach dieser Bestimmung können Bietergemeinschaften Angebote einreichen und sind nicht verpflichtet, dazu eine bestimmte Rechtsform anzunehmen (anderes gilt nach Erteilung des Zuschlages an die Arbeits- oder Bietergemeinschaft). Damit ist klargestellt, dass sich auch Gesellschaften bürgerlichen Rechts als einheitlicher Bieter am Vergabeverfahren beteiligen können. Demnach ist, wenn eine Arbeits- oder Bietergemeinschaft ein Angebot gelegt hat und sich in weiterer Folge die Notwendigkeit ergibt, einen Nachprüfungsantrag zu stellen, nur die Arbeits- oder Bietergemeinschaft als solche zur Antragstellung berechtigt, nicht hingegen einzelne ihrer Mitglieder vergleiche Regierungsvorlage 1171 BlgNR 22. Gesetzgebungsperiode 41). Nach Paragraph 20, Absatz 2, fünfter Satz BVergG 2006 sind Arbeitsgemeinschaften und Bietergemeinschaften auch als solche parteifähig zur Geltendmachung der ihnen durch das BVergG 2006 eingeräumten Rechte.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L01

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L01

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

L72003 Beschaffung Vergabe Niederösterreich

Norm

LVergabenachprüfungsG NÖ 2003 §16 Abs9

Rechtssatz

Die in Paragraph 16, Absatz 9, NÖ LVergabenachprüfungsG 2003 vorgesehene Möglichkeit eines Feststellungsantrags kommt nach dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung nur jenem Unternehmer zu, der den Nachprüfungsantrag gestellt hat vergleiche zur sinngemäßen Bestimmung des Paragraph 331, Absatz 4, BVergG 2006 VwGH 22.6.2011, 2011/04/0007; 8.11.2012, 2012/04/0097).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L02

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L02

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

L72003 Beschaffung Vergabe Niederösterreich

Norm

LVergabenachprüfungsG NÖ 2003 §16 Abs9
LVergabenachprüfungsG NÖ 2003 §6 Abs1

Rechtssatz

Wie im Fall eines erst nach Zuschlagserteilung möglichen Antrags auf Feststellung einer Vergaberechtswidrigkeit gemäß Paragraph 6, Absatz eins, NÖ LVergabenachprüfungsG 2003 kommt es auch bei einem auf Feststellung einer Vergaberechtswidrigkeit gerichteten Fortsetzungsantrag eines anhängigen Nachprüfungsverfahrens nach Paragraph 16, Absatz 9, NÖ LVergabenachprüfungsG 2003 nicht auf ein Interesse des Antragstellers am - auf Grund der bereits erfolgten Zuschlagserteilung gar nicht mehr möglichen - künftigen Vertragsabschluss, sondern darauf an, dass der Antragsteller im Zeitpunkt der Zuschlagserteilung (an einen anderen Bieter) ein Interesse am Vertragsabschluss hatte und ihm durch die Nichterteilung des Zuschlags ein Schaden entstanden ist. Sind diese Voraussetzungen bei Zuschlagserteilung gegeben, so geht die Antragslegitimation nicht allein dadurch verloren, dass der Antragsteller nachträglich seine Befugnis, Leistungsfähigkeit oder Zuverlässlichkeit verliert vergleiche VwGH 26.9.2005, 2005/04/0021). Vielmehr greifen Feststellungsverfahren anders als Nachprüfungsverfahren nicht in laufende Vergabeverfahren ein, sondern setzen deren Beendigung durch Zuschlagserteilung oder Widerruf voraus vergleiche VwGH 1.2.2017, Ro 2014/04/0056, 0057, Rn. 25, mwN). Eine erst nach Zuschlagserteilung eingetretene Unmöglichkeit der Beschaffung der ausgeschriebenen Leistungen ist nicht zwingend mit dem Verlust der Antragslegitimation verbunden.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L03

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L03

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Norm

ABGB §1210 idF 1983/136
  1. ABGB § 1210 heute
  2. ABGB § 1210 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 83/2014
  3. ABGB § 1210 gültig von 01.07.1984 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 136/1983

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2007/04/0234 E 18. März 2009 RS 2

Stammrechtssatz

Der Konkurs einzelner Mitglieder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts führt noch nicht automatisch zur Beendigung der Mitgliedschaft zu dieser Gesellschaft, sondern lediglich zur Möglichkeit, das vom Konkurs betroffene Mitglied bei gleichzeitigem Weiterbestand der Gesellschaft auszuschließen. Die Konkurseröffnung über ein Mitglied der Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist demnach ein Ausschließungsgrund für das Mitglied, aber kein Auflösungsgrund für die Gesellschaft. Ob ein Mitglied der Gesellschaft bürgerlichen Rechts ausgeschlossen wird, hängt vom Willen der übrigen Mitglieder ab vergleiche zum Ganzen Strasser in Rummel, Kommentar zum ABGB2, Rz 1 und 8 zu Paragraph 1210,).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L05

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L04

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Norm

ABGB §1215
ABGB §1503 Abs5 Z2
  1. ABGB § 1503 heute
  2. ABGB § 1503 gültig ab 30.07.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2026
  3. ABGB § 1503 gültig von 12.06.2026 bis 29.07.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 40/2026
  4. ABGB § 1503 gültig von 30.12.2025 bis 11.06.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 111/2025
  5. ABGB § 1503 gültig von 30.12.2025 bis 29.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 110/2025
  6. ABGB § 1503 gültig von 04.11.2025 bis 29.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 75/2025
  7. ABGB § 1503 gültig von 04.11.2025 bis 03.11.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 74/2025
  8. ABGB § 1503 gültig von 01.07.2025 bis 03.11.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 25/2025
  9. ABGB § 1503 gültig von 18.04.2024 bis 30.06.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2024
  10. ABGB § 1503 gültig von 28.03.2024 bis 17.04.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 11/2024
  11. ABGB § 1503 gültig von 31.12.2023 bis 27.03.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 182/2023
  12. ABGB § 1503 gültig von 31.12.2023 bis 31.12.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 180/2023
  13. ABGB § 1503 gültig von 13.10.2023 bis 30.12.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2023
  14. ABGB § 1503 gültig von 21.04.2023 bis 12.10.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 38/2023
  15. ABGB § 1503 gültig von 01.01.2022 bis 20.04.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 175/2021
  16. ABGB § 1503 gültig von 01.07.2021 bis 31.12.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2021
  17. ABGB § 1503 gültig von 15.05.2021 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 86/2021
  18. ABGB § 1503 gültig von 24.12.2020 bis 14.05.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 148/2020
  19. ABGB § 1503 gültig von 16.11.2020 bis 23.12.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 131/2020
  20. ABGB § 1503 gültig von 22.03.2020 bis 15.11.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  21. ABGB § 1503 gültig von 30.10.2019 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  22. ABGB § 1503 gültig von 01.08.2019 bis 29.10.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 74/2019
  23. ABGB § 1503 gültig von 24.07.2019 bis 31.07.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 69/2019
  24. ABGB § 1503 gültig von 15.08.2018 bis 23.07.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2018
  25. ABGB § 1503 gültig von 14.11.2017 bis 14.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2017
  26. ABGB § 1503 gültig von 26.04.2017 bis 13.11.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2017
  27. ABGB § 1503 gültig von 14.06.2016 bis 25.04.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 43/2016
  28. ABGB § 1503 gültig von 31.07.2015 bis 13.06.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2015
  29. ABGB § 1503 gültig von 24.02.2015 bis 30.07.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 35/2015
  30. ABGB § 1503 gültig von 22.11.2014 bis 23.02.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 83/2014
  31. ABGB § 1503 gültig von 27.05.2014 bis 21.11.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2014
  32. ABGB § 1503 gültig von 07.08.2013 bis 26.05.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 179/2013
  33. ABGB § 1503 gültig von 21.03.2013 bis 06.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2013
  34. ABGB § 1503 gültig von 01.02.2013 bis 20.03.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 15/2013

Rechtssatz

Die Regelungen der Paragraphen 1215, ff ABGB über den Übergang des Gesellschaftsvermögens und die Liquidation sind nicht von Paragraph 1503, Absatz 5, Ziffer 2, ABGB erfasst und traten somit bereits mit 1. Jänner 2015 in Kraft vergleiche zur alten zum selben Ergebnis führenden Rechtslage OGH 26.1.1989, 8 Ob 620/88; RIS-Justiz RS0022178, RS0022209).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L08

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L05

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Rechtssatz

Der Begriff des Aktivvermögens ist weit zu verstehen und umfasst auch Forderungen der Gesellschaft, wie etwa Schadenersatzansprüche, sofern sie werthaltig und nicht uneinbringlich sind vergleiche OGH 28.2.2018, 6 Ob 28/18p; RIS-Justiz RS0060134, RS0021209 [T15]).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L04

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L06

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Rechtssatz

Bei der Gesamtrechtsnachfolge tritt der Gesamtrechtsnachfolger, wenn es sich bei dem relevanten Recht um ein solches handelt, das übertragen werden kann (also kein höchstpersönliches ist), auch verfahrensrechtlich in die Position ein, in der sich auch der Rechtsvorgänger befunden hat vergleiche VwGH 14.10.2013, 2012/12/0148, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L06

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L07

Rechtssatz für Ra 2019/04/0079

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

Ra 2019/04/0079

Entscheidungsdatum

08.09.2021

Index

20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)
40/01 Verwaltungsverfahren

Rechtssatz

Eine gesellschaftsrechtliche Universalsukzession erfasst auch verwaltungsrechtlich verliehene Berechtigungen und führt zur Rechtsnachfolge in die Parteistellung der Vorgängergesellschaft, ohne dass es auf eine mit Grund und Boden verknüpfte Dinglichkeit des in der betroffenen Verwaltungsangelegenheit zu erlassenden oder erlassenen Entscheidungen ankäme vergleiche VwGH 26.5.1998, 97/07/0168; 25.7.2002, 98/07/0073; 22.3.2012, 2011/07/0221) oder es einer ausdrücklichen gesetzlichen Regelung bedürfte und es sich nicht um Verwaltungssachen handelt, die - zumindest überwiegend - in persönlichen Eigenschaften des Berechtigten begründet sind vergleiche VwGH 28.4.2005, 2004/07/0196).

Schlagworte

Parteibegriff Parteistellung strittige Rechtsnachfolger Zustellung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2019040079.L07

Im RIS seit

13.10.2021

Zuletzt aktualisiert am

13.10.2021

Dokumentnummer

JWR_2019040079_20210908L08