Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2018/10/0030

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2018/10/0030

Entscheidungsdatum

20.03.2018

Index

80/02 Forstrecht

Norm

ForstG 1975 §172 Abs6;

Beachte

Miterledigung (miterledigt bzw zur gemeinsamen Entscheidung verbunden): Ra 2018/10/0031

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 92/10/0061 E 9. November 1992 RS 1

Stammrechtssatz

Paragraph 172, Absatz 6, ForstG 1975 ermöglicht auch einen Auftrag zur Beseitigung eines auf einer Waldfläche ohne behördliche Bewilligung errichteten Bauwerkes (Hinweis E 13.9.1979, 609/78, VwSlg 9920 A/1979).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018100030.L02

Im RIS seit

18.04.2018

Zuletzt aktualisiert am

14.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018100030_20180320L01

Rechtssatz für Ra 2018/10/0030

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2018/10/0030

Entscheidungsdatum

20.03.2018

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/07 Verwaltungsgerichtshof

Norm

B-VG Art133 Abs4;
VwGG §34 Abs1;
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Beachte

Miterledigung (miterledigt bzw zur gemeinsamen Entscheidung verbunden): Ra 2018/10/0031

Rechtssatz

Dem VwGH kommt im Revisionsmodell eine Leitfunktion zu. Aufgabe des VwGH ist es, im Rahmen der Lösung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung (erstmals) die Grundsätze bzw. Leitlinien für die Entscheidung des VwG festzulegen, welche von diesem zu beachten sind. Die Anwendung dieser Grundsätze auf den Einzelfall kommt hingegen dem VwG zu, dem dabei in der Regel ein gewisser Anwendungsspielraum überlassen ist. Ein Aufgreifen des vom VwG entschiedenen Einzelfalls durch den VwGH kommt nur dann zum Tragen, wenn das VwG die vom VwGH aufgestellten Leitlinien nicht beachtet hat und somit seinen Anwendungsspielraum überschritten oder eine krasse bzw. unvertretbare Fehlbeurteilung des Einzelfalles vorgenommen hat.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018100030.L02.1

Im RIS seit

18.04.2018

Zuletzt aktualisiert am

14.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018100030_20180320L02

Entscheidungstext Ra 2018/10/0030

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2018/10/0030

Entscheidungsdatum

20.03.2018

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
80/02 Forstrecht;

Norm

B-VG Art133 Abs4;
ForstG 1975 §172 Abs6;
VwGG §34 Abs1;
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Beachte

Miterledigung (miterledigt bzw zur gemeinsamen Entscheidung verbunden): Ra 2018/10/0031

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Stöberl sowie den Hofrat Dr. Fasching und die Hofrätin Dr. Leonhartsberger als Richter, unter Mitwirkung der Schriftführerin Kacic-Löffler, LL.M., über die Revision 1. des R D, 2. der I D, beide in L, beide vertreten durch Mag. Michael Raffaseder, Rechtsanwalt in 4240 Freistadt, Hauptplatz 22, gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 29. September 2017, Zl. LVwG-551076/12/SE-551077/2, betreffend Erteilung eines forstpolizeilichen Auftrags (belangte Behörde vor dem Verwaltungsgericht: Bezirkshauptmannschaft Freistadt), den Beschluss gefasst:

Spruch

Die Revision wird zurückgewiesen.

Begründung

1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde die gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 31. Jänner 2017 (betreffend Erteilung eines forstpolizeilichen Auftrags gemäß Paragraph 172, Absatz 6, in Verbindung mit , Paragraph 17, Absatz eins, ForstG) gerichtete Beschwerde abgewiesen und der angefochtene Bescheid mit der Maßgabe bestätigt, dass den Revisionswerbern die Entfernung einer ca. 3 x 5 m großen Hütte samt der ca. 2 x 5 m großen Überdachung mit zwei Stehern sowie der Bodenplatte aufgetragen wurde. Begründend führte das Verwaltungsgericht im Wesentlichen aus, für die von den Revisionswerbern auf einem näher genannten Waldgrundstück errichtete Hütte liege kein forstrechtlicher Konsens im Sinne des Paragraph 17, ForstG vor; die Revisionswerber hätten die Errichtung der Hütte bei der Behörde auch nicht angezeigt noch einen diesbezüglichen Bewilligungsantrag eingebracht. Die Hütte diene auch nicht der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung bzw. bestehe keine unbedingte Notwendigkeit hiefür.

2 Der Verfassungsgerichtshof hat mit Beschluss vom 13. Dezember 2017, E 3970/2017-5, die Behandlung der dagegen von den Revisionswerbern erhobenen Beschwerde abgelehnt und die Beschwerde mit weiterem Beschluss vom 15. Jänner 2018, E 3970/2017- 9, dem Verwaltungsgerichtshof gemäß Artikel 144, Absatz 3, B-VG zur Entscheidung abgetreten.

3 Nach Artikel 133, Absatz 4, B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

4 Nach Paragraph 34, Absatz eins, VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen.

5 Nach Paragraph 34, Absatz eins a, VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß Paragraph 25 a, Absatz eins, VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (Paragraph 28, Absatz 3, VwGG) zu überprüfen.

6 Voraussetzung der Erteilung eines forstbehördlichen Auftrages nach Paragraph 172, Absatz 6, ForstG ist, dass es sich bei der betreffenden Fläche zum Zeitpunkt des Zuwiderhandelns gegen forstrechtliche Vorschriften und zum Zeitpunkt der Erlassung des forstpolizeilichen Auftrages um Wald im Sinne des Forstgesetzes handelt. Tatbestandsvoraussetzung des Paragraph 172, Absatz 6, ForstG ist darüber hinaus ein Verstoß gegen forstrechtliche Vorschriften, z. B. das Rodungsverbot vergleiche , etwa VwGH 13.10.2004, 2000/10/0115; 27.5.2014, 2012/10/0163, jeweils mwN).

7 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ermöglicht die Bestimmung des Paragraph 172, Absatz 6, ForstG auch einen Auftrag zur Beseitigung einer auf einer Waldfläche ohne behördliche Bewilligung errichteten Bauwerks vergleiche , VwGH 9.11.1992, 92/10/0061 sowie das zitierte Erkenntnis 2000/10/0115, jeweils mwN).

8 Die gegenständliche Hütte wurde unstrittig auf einem Waldgrundstück sowie ohne Erteilung einer Rodungsbewilligung gemäß Paragraph 17, ForstG errichtet.

9 Der Verwaltungsgerichtshof hat wiederholt ausgesprochen, dass bei Verwendung einer unbestockten Waldgrundfläche für die Bebauung mit einer Hütte nur dann keine Rodung nach Paragraph 17, Absatz eins, des ForstG vorliegt, wenn die Hütte tatsächlich der forstlichen Bewirtschaftung dient und wenn sie dazu unbedingt notwendig ist. An das Erfordernis der unbedingten Notwendigkeit ist ein strenger Maßstab anzulegen, da ansonsten angesichts der Struktur des Waldeigentums in Österreich, die eine Vielzahl von Kleinbesitzern aufweist, eine mit den Zielen des ForstG nicht vereinbare Waldverhüttelung drohen würde. Unbedingt erforderlich ist eine Hütte nur dann, wenn ohne sie eine forstliche Bewirtschaftung nicht möglich ist vergleiche , etwa VwGH 30.9.1992, 91/10/0172; 14.6.1993, 90/10/0100; 26.9.1994, 93/10/0001, sowie das zitierte Erkenntnis 2000/10/0115, jeweils mwN).

10 Der Verwaltungsgerichtshof hat an dieser Rechtsprechung in jüngeren Entscheidungen festgehalten vergleiche , VwGH 31.7.2009, 2006/10/0052; 29.2.2012, 2010/10/0107). Das Zulässigkeitsvorbringen in der Revision, wonach diesbezügliche Rechtsprechung zur "neuen Rechtslage, nach der Forstgesetznovelle 2002" fehle, geht daher jedenfalls ins Leere.

11 Auch mit dem weiteren Zulässigkeitsvorbringen, wonach das Verwaltungsgericht "diese Regel zu Unrecht herangezogen (habe), da es an einer konkretisierenden Judikatur durch den VwGH fehlt", wird eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht aufgezeigt:

12 Dem Verwaltungsgerichtshof kommt im Revisionsmodell eine Leitfunktion zu. Aufgabe des Verwaltungsgerichtshofes ist es, im Rahmen der Lösung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung (erstmals) die Grundsätze bzw. Leitlinien für die Entscheidung des Verwaltungsgerichts festzulegen, welche von diesem zu beachten sind. Die Anwendung dieser Grundsätze auf den Einzelfall kommt hingegen dem Verwaltungsgericht zu, dem dabei in der Regel ein gewisser Anwendungsspielraum überlassen ist. Ein Aufgreifen des vom Verwaltungsgericht entschiedenen Einzelfalls durch den Verwaltungsgerichtshof kommt nur dann zum Tragen, wenn das Verwaltungsgericht die vom Verwaltungsgerichtshof aufgestellten Leitlinien nicht beachtet hat und somit seinen Anwendungsspielraum überschritten oder eine krasse bzw. unvertretbare Fehlbeurteilung des Einzelfalles vorgenommen hat. Der Verwaltungsgerichtshof ist im Revisionsmodell nicht dazu berufen, die Einzelfallgerechtigkeit in jedem Fall zu sichern - diese Aufgabe obliegt den Verwaltungsgerichten vergleiche , zuletzt VwGH 27.2.2018, Ra 2018/01/0052, mit Hinweisen auf die ständige hg. Rechtsprechung und Literatur).

13 Im vorliegenden Fall hat das Verwaltungsgericht - gestützt auf das Gutachten des forstfachlichen Amtssachverständigen und mit näherer Begründung - festgestellt, dass die Notwendigkeit der Hütte für eine forstliche Bewirtschaftung nicht bestehe. Es ist bei der von ihm vorgenommenen einzelfallbezogenen Beurteilung nicht von den dargestellten Leitlinien der hg. Rechtsprechung abgewichen.

14 Die Auffassung des Verwaltungsgerichts, wonach die Errichtung der Hütte eine (rechtswidrige) Rodung gemäß Paragraph 17, ForstG darstellt, ist im Revisionsfall ebenso wenig zu beanstanden wie die Erteilung des gegenständlichen forstpolizeilichen Auftrages.

15 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Artikel 133, Absatz 4, B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen.

Wien, am 20. März 2018

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018100030.L00

Im RIS seit

18.04.2018

Zuletzt aktualisiert am

14.03.2019

Dokumentnummer

JWT_2018100030_20180320L00