Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Auskunftspflicht
3 Finanzrecht Geldrecht Währungsrecht Kreditrecht
37/02 Kreditwesen

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1 Abs1;
B-VG Art10 Abs1 Z5;
B-VG Art20 Abs4;
FMABG 2001 §1 Abs1;
VwRallg;
  1. B-VG Art. 10 heute
  2. B-VG Art. 10 gültig ab 01.01.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2019 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  4. B-VG Art. 10 gültig von 01.08.2016 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2016
  5. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2013
  6. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  7. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  8. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  9. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2012 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  10. B-VG Art. 10 gültig von 01.04.2012 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 12/2012
  11. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2012 bis 31.03.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2011
  12. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  13. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2008 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  14. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 106/2005
  15. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2004
  16. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  17. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  18. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  19. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1994 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  20. B-VG Art. 10 gültig von 31.07.1993 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  21. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.1993 bis 30.07.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  22. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.1993 bis 30.04.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 565/1991
  23. B-VG Art. 10 gültig von 06.06.1992 bis 30.04.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  24. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1990 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 445/1990
  25. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1989 bis 30.06.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  26. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1985 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 490/1984
  27. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 175/1983
  28. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1983 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  29. B-VG Art. 10 gültig von 29.05.1974 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 287/1974
  30. B-VG Art. 10 gültig von 22.01.1969 bis 28.05.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 27/1969
  31. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1961 bis 21.01.1969 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 148/1960
  32. B-VG Art. 10 gültig von 17.12.1958 bis 31.12.1960 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 271/1958
  33. B-VG Art. 10 gültig von 31.12.1954 bis 16.12.1958 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 8/1955
  34. B-VG Art. 10 gültig von 19.12.1945 bis 30.12.1954 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  35. B-VG Art. 10 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2008/17/0151 E 27. Februar 2009 VwSlg 17641 A/2009 RS 1

Stammrechtssatz

Die Finanzmarktaufsichtsbehörde ist eine Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit, die Aufgaben der Bundesverwaltung vergleiche Artikel 10, Absatz eins, Ziffer 5, B-VG) vollzieht. Damit erscheint zumindest fraglich, ob das Auskunftspflichtgesetz (des Bundes), dem kompetenzmäßig der organisatorische Organbegriff des zweiten Satzes des Artikel 20, Absatz 4, B-VG vergleiche dazu näher etwa das hg. Erkenntnis vom 21. Dezember 2005, Zl. 2002/08/0253 = VwSlg 16787 A/2005) zu Grunde liegt, anzuwenden ist. Die Beantwortung dieser Frage ist hier jedoch nicht entscheidungswesentlich: Wie etwa Perthold-Stoitzner, Die Auskunftspflicht der Verwaltungsorgane2 (1998) 82 ff dargelegt hat, knüpft Artikel 20, Absatz 4, B-VG mit der Wendung "alle mit Aufgaben der Bundes-, Landes- und Gemeindeverwaltung betrauten Organe" in Satz eins nicht an einen organisatorischen, sondern an einen funktionellen Organbegriff an. Damit werden nicht nur Organe, die organisatorisch den Gebietskörperschaften zuzurechnen sind und Verwaltungsaufgaben besorgen, zur Auskunftserteilung verpflichtet, sondern auch solche, die ohne organisatorisch in die Verwaltungsorganisation eingegliedert zu sein, mit der Besorgung von Verwaltungsaufgaben betraut sind, zur Auskunftserteilung nach Artikel 20, Absatz 4, B-VG verpflichtet. Perthold-Stoitzner zählt (aaO, 90) dazu etwa auch die österreichische Nationalbank. Der Verwaltungsgerichtshof geht in diesem Zusammenhang mit der Lehre vergleiche wiederum Perthold-Stoitzner, aaO 88 f; Wieser in Korinek/Holoubek, Österreichisches Bundesverfassungsrecht, B-VG, Artikel 20 /, 4, Rz 16 und Hengstschläger/Leeb, Verfahrensrechtliche Fragen der Auskunftspflicht gemäß Artikel 20, Absatz 4, B-VG, JBl. 2003, 269 (272)) davon aus, dass eine "systematische Reduktion" des ersten Satzes des Artikel 20, Absatz 4, B-VG insbesondere wegen des erschließbaren Willens des historischen Gesetzgebers nicht in Betracht kommt. Der Verwaltungsgerichtshof folgt daher der von der zitierten Literatur überzeugend erarbeiteten Lösung dieses demnach auftretenden Lückenfüllungsproblems dahin, es sei davon auszugehen, dass dann, wenn der einfache (hier:) Bundesgesetzgeber erkannt hätte, dass er auch für die beliehenen und die sonstigen Körperschaften öffentlichen Rechts eine Regelung zu treffen gehabt hätte, er von dieser (durch Analogie anzunehmenden) Kompetenz auch Gebrauch gemacht und, da Artikel 20, Absatz 4, B-VG die größtmögliche Einheitlichkeit der Vorschrift über die Auskunftspflicht zum Ziel hat, für diese die gleichen Regelungen getroffen hätte. Diese Erwägungen haben für den Beschwerdefall zur Folge, dass die Regelungen des Auskunftspflichtgesetzes (des Bundes) jedenfalls (zumindest durch Analogie) auf Auskunftsbegehren, die an die FMA gerichtet werden, anzuwenden sind.

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Analogie Schließung von Gesetzeslücken VwRallg3/2/3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X01

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X01

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

10/10 Auskunftspflicht
3 Finanzrecht Geldrecht Währungsrecht Kreditrecht
37/02 Kreditwesen

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §4;
FMABG 2001 §1 Abs1;
FMABG 2001 §22 Abs2;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2008/17/0151 E 27. Februar 2009 VwSlg 17641 A/2009 RS 3

Stammrechtssatz

Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes knüpft der Instanzenzug in Angelegenheiten der Auskunftserteilung an den organisatorischen Aufbau der Behörden an vergleiche das hg. Erkenntnis vom 22. Oktober 2002, Zl. 2000/01/0274, mwN). Die FMA ist auf Grund ihrer Einrichtung als selbstständige öffentlich rechtliche Anstalt, der gegenüber der Bundesminister für Finanzen kein Weisungsrecht hat, nicht in den organisatorischen Aufbau der Bundesverwaltung im Bereich des Bundesministeriums für Finanzen eingegliedert. Dem entspricht auch der Ausschluss einer Berufung gegen Bescheide der Finanzmarktaufsichtsbehörde (ausgenommen in Verwaltungsstrafsachen), mit dem ein Rechtszug an eine andere Behörde (hier den Bundesminister für Finanzen) ausgeschlossen wurde.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X02

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X02

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Auskunftspflicht

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1;
B-VG Art20 Abs4;
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Rechtssatz

Die Auskunftspflicht umfasst die Verpflichtung, Wissenserklärungen über Informationen, die in den Unterlagen der Behörde und Akten betreffend Verwaltungsverfahren enthalten sind, weiter zu geben vergleiche E 27. Februar 2009, 2008/17/0151).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X03

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X03

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Auskunftspflicht

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1;
B-VG Art20 Abs4;
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Rechtssatz

Die Auskunftspflicht dient dem Zweck, Informationen zu gewinnen, über die der Antragsteller nicht verfügt, an denen er jedoch ein konkretes Auskunftsinteresse besitzt vergleiche E 23. März 1999, 97/19/0022).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X04

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X04

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

10/10 Auskunftspflicht

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1 Abs2;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2009/17/0232 E 27. Februar 2013 RS 5

Stammrechtssatz

Die Verwaltungsbehörden sind nach dem AuskunftspflichtG nicht etwa zur Beschaffung und Weitergabe von auch anders zugänglichen Informationen verhalten vergleiche das hg. Erkenntnis vom 23. März 1999, Zl. 97/19/0022, hinsichtlich der Einholung einer Meldeauskunft, sowie die Erläuterungen zur Regierungsvorlage zum AuskunftspflichtG, 41 BlgNR 17. GP, S. 3).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X05

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X05

Rechtssatz für 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Auskunftspflicht

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1;
B-VG Art20 Abs4;
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Rechtssatz

Es besteht keine Verpflichtung zur Auskunftserteilung, wenn das Ersuchen Tatsachen betrifft, die dem Auskunftswerber ohnehin aus eigener Wahrnehmung bekannt sind, wenn es also nicht dazu dient, Wissen zu vermitteln, sondern ein dem Auskunftswerber schon geläufiges Wissen nur bestätigt. In einem solchen Fall ist das Auskunftsersuchen als missbräuchlich anzusehen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X06

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWR_2014020006_20140328X06

Entscheidungstext 2014/02/0006

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

2014/02/0006

Entscheidungsdatum

28.03.2014

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein;
10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/10 Auskunftspflicht;
3 Finanzrecht Geldrecht Währungsrecht Kreditrecht;
37/02 Kreditwesen;

Norm

AuskunftspflichtG 1987 §1 Abs1;
AuskunftspflichtG 1987 §1 Abs2;
AuskunftspflichtG 1987 §1;
AuskunftspflichtG 1987 §4;
B-VG Art10 Abs1 Z5;
B-VG Art20 Abs4;
FMABG 2001 §1 Abs1;
FMABG 2001 §22 Abs2;
VwRallg;
  1. B-VG Art. 10 heute
  2. B-VG Art. 10 gültig ab 01.01.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2019 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  4. B-VG Art. 10 gültig von 01.08.2016 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2016
  5. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2013
  6. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  7. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  8. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  9. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2012 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  10. B-VG Art. 10 gültig von 01.04.2012 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 12/2012
  11. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2012 bis 31.03.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2011
  12. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  13. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2008 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  14. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 106/2005
  15. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2004
  16. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  17. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  18. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  19. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1994 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  20. B-VG Art. 10 gültig von 31.07.1993 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  21. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.1993 bis 30.07.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
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  27. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 175/1983
  28. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1983 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  29. B-VG Art. 10 gültig von 29.05.1974 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 287/1974
  30. B-VG Art. 10 gültig von 22.01.1969 bis 28.05.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 27/1969
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  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
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  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch die Vorsitzende Senatspräsidentin Dr. Riedinger und die Hofräte Mag. Dr. Köller und Dr. Lehofer als Richter, im Beisein der Schriftführerin Mag. Zaunbauer, über die Beschwerde der R Gen.m.b.H. in K, vertreten durch die Brandl & Talos Rechtsanwälte GmbH in 1070 Wien, Mariahilferstraße 116, gegen den Bescheid der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) vom 8. Mai 2013, Zl. FMA-RA0001.400/0005-LAW/2013, betreffend Auskunftserteilung, zu Recht erkannt:

Spruch

Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.

Die beschwerdeführende Partei hat dem Bund Aufwendungen in der Höhe von EUR 610,60 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Begründung

Die beschwerdeführende Partei stellte mit einem als "Auskunftsbegehren gemäß Paragraph eins, Absatz eins, AuskunftspflichtG" bezeichneten Schriftsatz vom 18. März 2013 an die belangte Behörde den Antrag, ihr Auskunft wie folgt zu erteilen (Fettdruck- im Original):

"2. Sohin werden folgende Fragen an die FMA gestellt, welche sich alle auf den Zeitraum zwischen 1999 und 2008 (dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs des AvW-Systems) beziehen:

a) War nach der Wahrnehmung der damals zuständigen Mitarbeiter der BWA (Bundes-Wertpapieraufsicht) die RBBK (beschwerdeführende Partei) bei einer Überprüfung der AvW Invest AG oder AvW Gruppe AG oder bei der Reorganisation dieser Gesellschaften zu irgendeinem Zeitpunkt eingebunden?

b) Hat die BWA oder FMA die RBBK jemals davor gewarnt, dass sie die Kursbildung der Genussscheine der AvW Gruppe AG nicht nachvollziehen kann? Wenn ja, wann?

c) Hat die BWA oder FMA die RBBK jemals darüber aufgeklärt, dass die AvW Invest AG oder AvW Gruppe AG Geschäfte betrieb, welche eine Konzession nach dem BWG benötigen würde oder könnte? Wenn ja, wann?

d) Hat die BWA oder FMA die RBBK jemals darüber aufgeklärt, dass die AvW Invest AG Kundenvermögen gehalten hat? Wenn ja, wann?

e) Hat die BWA oder die FMA auch die Depotführung und die Abwicklung der Genussscheinkäufe/-einbuchungen bei der RBBK geprüft? Bejahendenfalls, sind der BWA oder FMA dabei Unregelmäßigkeiten aufgefallen, und wurde die RBBK darauf hingewiesen? Wenn ja, wann?

f) Hat die BWA und die FMA die Antragstellerin darüber informiert, dass die AvW Invest AG und die AvW Gruppe AG entgegen den Aussagen in den Werbefoldern dieser Gesellschaften Hochrisikogeschäfte betrieben haben? Wenn ja, wann?

g) Gab es eine Warnmeldung iSd Paragraph 22 c, FMABG hinsichtlich der AvW Invest AG oder AvW Gruppe AG? War eine dieser Gesellschaften jemals auf der 'schwarzen Liste' der BWA oder de FMA?

h) Warum wurde die ehemalige Mitarbeiterin der BWA Dr. H. in den Verfahren zu GZ 22 Cg... und GZ 27 Cg... am Landesgericht für Zivilrechtssachen Klagenfurt nicht von ihrer Amtsverschwiegenheitspflicht entbunden, obwohl sich die Geheimnisse, welche sie verraten hätte können, auf die RBBK bezogen und diese der Preisgabe der Geheimnisse zustimmte? Welche Geheimhaltungsinteressen gemäß Paragraph 46, Absatz 3, BDG standen ihrer Entbindung entgegen?"

Die Fragen bezögen sich - so die beschwerdeführende Partei in der Antragsbegründung - auf den Wirkungsbereich der FMA bzw. ihrer Vorgängerbehörde, der BWA. Die BWA habe in den Jahren 2000 und 2001 Vorortprüfungen sowohl bei den AvW-Gesellschaften als auch bei der beschwerdeführenden Partei durchgeführt. Diese Vorortprüfungen seien von der ehemaligen Mitarbeiterin der BWA Dr. H. geleitet worden, die dazu im Verfahren GZ 30 Cg... neben weiteren Mitarbeitern der BWA/FMA ausgesagt habe. Die FMA habe zu den Verfahren zu GZ 22 Cg... und GZ 27 Cg... entschieden, dass Dr. H. nicht von der Amtsverschwiegenheit entbunden werde und demnach nicht aussagen dürfe. Bei den unter Punkt 2. gestellten Fragen handle es sich daher jedenfalls um solche Informationen, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt der FMA bekannt seien und nicht erst zum Zweck der Auskunftserteilung beschafft werden müssten.

Mit dem angefochtenen Bescheid hat die belangte Behörde dem Auskunftsbegehren hinsichtlich der Frage 2 g) stattgegeben (Spruchpunkt 1.) und diese dahin beantwortet, dass es keine Bekanntmachung gemäß Paragraph 22 c, FMABG im Hinblick auf die AvW Invest AG oder die AvW Gruppe AG gegeben habe; eine schwarze Liste der BWA oder FMA sei der Behörde nicht bekannt.

Betreffend die Fragen 2 a) bis 2 f) und 2 h) hat die belangte Behörde das Auskunftsbegehren abgewiesen (Spruchpunkt 2.).

Nach Wiedergabe der einzelnen Fragen der beschwerdeführenden Partei führte die belangte Behörde zu Spruchpunkt 2. nach der Überschrift "I. Amtsverschwiegenheit" und nach Darstellung einschlägiger Normen im Wesentlichen begründend aus, bei den Verfahren, in denen Dr. H. nicht von der Amtsverschwiegenheit entbunden worden sei, handle es sich um keine Amtshaftungsverfahren nach dem AHG, weshalb diesbezüglich keine Durchbrechung des Amtsgeheimnisses gemäß Paragraph 13, Absatz eins, AHG in Betracht komme. Die beschwerdeführende Partei versuche in unzulässiger Weise Informationen, die sie auf Grund der Nichtentbindung der ehemaligen Mitarbeiterin der BWA Dr. H. von der Amtsverschwiegenheit und der daraus resultierenden Unzulässigkeit der Vernehmung als Zeugin nicht erlangen habe können, unter dem Titel der Auskunftspflicht zu gewinnen. Somit sei der FMA eine Auskunftserteilung zu den Fragen gemäß Spruchpunkt 2. schon unter dem Titel der Amtsverschwiegenheit verwehrt.

Nach der Überschrift "II. Wissenserklärungen" führte die belangte Behörde nach Darstellung einschlägiger Judikatur zu Frage 2 a) aus, diese beziehe sich auf allfällige Wahrnehmungen der damals zuständigen Mitarbeiter und nicht auf gesichertes Wissen der Behörde. In den der beschwerdeführenden Partei übermittelten Prüfberichten über Vorortprüfungen der BWA 2000 und der Österreichischen Nationalbank 2008 seien Feststellungen der Prüfer zu den Geschäftsbeziehungen der beschwerdeführenden Partei zu den AvW-Gesellschaften enthalten. Ob es darüber hinaus Wahrnehmungen der damals zuständigen Mitarbeiter gegeben habe, entziehe sich notwendigerweise der Kenntnis der FMA. Viele dieser Personen seien nicht mehr für die FMA tätig. Zu den Fragen 2 b) bis 2 d) und 2 f) verwies die belangte Behörde wiederum auf die der beschwerdeführenden Partei zugekommenen Prüfberichte und zu darüber hinaus gehenden Wahrnehmungen auf das zur Frage 2 a) Gesagte. Die Fragen 2 b) bis 2 d) und 2 f) könnten daher von der belangten Behörde nicht beauskunftet werden. Dasselbe gelte auch für die Frage 2 e). Die Frage 2 h) (Warum ...?) beziehe sich auf Motive und Gründe behördlichen Handelns oder Unterlassens, die nicht Gegenstand eines Auskunftsersuchens sein könnten.

Gegen Spruchpunkt 2. dieses Bescheides richtet sich die vorliegende Beschwerde wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften.

Die belangte Behörde hat die Verwaltungsakten vorgelegt und eine Gegenschrift erstattet, in der sie die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde beantragt.

Der Verwaltungsgerichtshof hat in einem gemäß Paragraph 12, Absatz eins, Ziffer 2, VwGG gebildeten Senat erwogen:

In dem vorliegenden, mit Ablauf des 31. Dezember 2013 beim Verwaltungsgerichtshof anhängig gewesenen Beschwerdefall sind gemäß Paragraph 79, Absatz 11, letzter Satz VwGG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 122 aus 2013, die bis zum Ablauf des 31. Dezember 2013 geltenden Bestimmungen des VwGG weiterhin anzuwenden, zumal durch das Verwaltungsgerichtsbarkeits-Übergangsgesetz (VwGbk-ÜG), Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 33 aus 2013,, nicht anderes bestimmt ist.

Die Paragraphen eins, 2 und 4 des Auskunftspflichtgesetzes lauten (auszugsweise):

"§ 1. (1) Die Organe des Bundes sowie die Organe der durch die Bundesgesetzgebung zu regelnden Selbstverwaltung haben über Angelegenheiten ihres Wirkungsbereiches Auskünfte zu erteilen, soweit eine gesetzliche Verschwiegenheitspflicht dem nicht entgegensteht.

  1. Absatz 2,Auskünfte sind nur in einem solchen Umfang zu erteilen, der die Besorgung der übrigen Aufgaben der Verwaltung nicht wesentlich beeinträchtigt; berufliche Vertretungen sind nur gegenüber den ihnen jeweils Zugehörigen auskunftspflichtig und dies insoweit, als dadurch die ordnungsgemäße Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben nicht verhindert wird. Sie sind nicht zu erteilen, wenn sie offenbar mutwillig verlangt werden.

Paragraph 2, Jedermann kann schriftlich, mündlich oder telephonisch Auskunftsbegehren anbringen. Dem Auskunftswerber kann die schriftliche Ausführung eines mündlich oder telefonisch angebrachten Auskunftsbegehrens aufgetragen werden, wenn aus dem Begehren der Inhalt oder der Umfang der gewünschten Auskunft nicht ausreichend klar hervorgeht.

...

Paragraph 4, Wird eine Auskunft nicht erteilt, so ist auf Antrag des Auskunftswerbers hierüber ein Bescheid zu erlassen. Als Verfahrensordnung, nach der der Bescheid zu erlassen ist, gilt das AVG, sofern nicht für die Sache, in der Auskunft erteilt wird, ein anderes Verfahrensgesetz anzuwenden ist."

Zur Bejahung der Frage nach der Anwendung der Regelungen des Auskunftspflichtgesetzes des Bundes auf Auskunftsbegehren, die an die FMA gerichtet werden, und zum Ausschluss einer Berufung gegen Auskunft verweigernde Bescheide der belangten Behörde vergleiche , das Erkenntnis vom 27. Februar 2009, Zl. 2008/17/0151, auf dessen Begründung gemäß Paragraph 43, Absatz 2, VwGG verwiesen wird.

Die belangte Behörde hat im angefochtenen Bescheid die Ablehnung der Beantwortung der Fragen gemäß Spruchpunkt 2. im Wesentlichen damit begründet, dass der beschwerdeführenden Partei ohnehin die Prüfberichte, in denen Feststellungen der Prüfer zu den Geschäftsbeziehungen der beschwerdeführenden Partei zu den AvW-Gesellschaften enthalten seien, übermittelt worden seien. Darüber hinaus gehende Wahrnehmungen von ehemaligen Mitarbeitern entzögen sich der Kenntnis der belangten Behörde und seien kein gesichertes Wissen.

Im Besonderen Teil der Erläuterungen zur Regierungsvorlage eines Auskunftspflichtgesetzes (41 BlgNR 17. GP, 3) zu Paragraph eins, AuskunftspflichtG, wurde zum Auskunftsbegriff Folgendes ausgeführt:

"Auskünfte haben Wissenserklärungen zum Gegenstand, wobei ihr Gegenstand ausschließlich solche Informationen sind, die zum Zeitpunkt der Anfrage der Verwaltung bereits bekannt sind und nicht erst von der ersuchten Verwaltungseinheit zum Zweck der Erfüllung der Auskunftspflicht beschafft werden müssen. ..."

Die Auskunftspflicht umfasst die Verpflichtung, Wissenserklärungen über Informationen, die in den Unterlagen der Behörde und Akten betreffend Verwaltungsverfahren enthalten sind, weiter zu geben vergleiche , das Erkenntnis vom 27. Februar 2009, Zl. 2008/17/0151, mwN). Die Auskunftspflicht dient dem Zweck, Informationen zu gewinnen, über die der Antragsteller nicht verfügt, an denen er jedoch ein konkretes Auskunftsinteresse besitzt vergleiche , das Erkenntnis vom 23. März 1999, Zl. 97/19/0022). Die Verwaltungsbehörden sind nach dem AuskunftspflichtG nicht etwa zur Beschaffung und Weitergabe von auch anders zugänglichen Informationen verhalten vergleiche , das Erkenntnis vom 27. Februar 2013, Zl. 2009/17/0232, mwN).

In Anbetracht dieser Rechtsprechung besteht keine Verpflichtung zur Auskunftserteilung, wenn das Ersuchen Tatsachen betrifft, die dem Auskunftswerber ohnehin aus eigener Wahrnehmung bekannt sind, wenn es also nicht dazu dient, Wissen zu vermitteln, sondern ein dem Auskunftswerber schon geläufiges Wissen nur bestätigt. In einem solchen Fall ist das Auskunftsersuchen als missbräuchlich anzusehen.

Im vorliegenden Ersuchen fragt die beschwerdeführende Partei unter anderem (Fragen 2 a) bis 2 f)), ob sie selbst von der belangten Behörde in bestimmten Zusammenhängen "gewarnt", "informiert", "eingebunden", "aufgeklärt" oder "darauf hingewiesen" worden sei. Dabei handelt es sich jeweils um Informationen über Vorgänge, über die die beschwerdeführende Partei schon allein nach der Fragestellung selbst Wahrnehmungen gemacht haben muss, die Erteilung der Auskünfte also nur ein der beschwerdeführenden Partei schon geläufiges Wissen vermitteln würde. Die beschwerdeführende Partei hat nicht behauptet, über die nachgefragten Vorgänge keine Wahrnehmungen gemacht zu haben oder darüber nichts zu wissen. Die belangte Behörde hat ausgeführt, sie hätte sich diese Informationen erst beschaffen müssen, weshalb sie nach dem Gesagten jedenfalls nicht verpflichtet war, die Fragen

2a) bis 2 f) zu beantworten.

Die Frage 2 h) betrifft die Begründung behördlichen Handelns ("Warum...?") und löste demnach keine Verpflichtung der Behörde zur Auskunftserteilung aus vergleiche , das Erkenntnis vom 23. Oktober 2013, Zl. 2013/03/0109, mwN).

Da die belangte Behörde die Fragen 2a) bis 2 f) und 2 h) nicht beantworten musste, erübrigt sich ein Eingehen auf die Auswirkungen der in der Beschwerde thematisierten Unterlassung der Interessenabwägung in Bezug auf die Amtsverschwiegenheit und hinsichtlich des angefragten Zeitraums auf den Umstand, dass die behördliche Zuständigkeit der belangten Behörde erst am 1. April 2002 begonnen hat vergleiche , Paragraph 25, Ziffer eins, FMABG).

Die in der Beschwerde vorgetragenen Argumente waren nicht geeignet, eine Rechtswidrigkeit des Spruchpunktes 2.) des angefochtenen Bescheides aufzuzeigen, weshalb die Beschwerde gemäß Paragraph 42, Absatz eins, VwGG als unbegründet abzuweisen war.

Die Kostenentscheidung beruht auf den Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008, Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 455 aus 2008,, welche gemäß Paragraph 3, Ziffer eins, der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014, Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 518 aus 2013, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 8 aus 2014, im Beschwerdefall weiterhin anzuwenden ist.

Wien, am 28. März 2014

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Analogie Schließung von Gesetzeslücken VwRallg3/2/3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2014:2014020006.X00

Im RIS seit

07.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2014

Dokumentnummer

JWT_2014020006_20140328X00