Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2022/12/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2022/12/0120

Entscheidungsdatum

20.10.2022

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
34 Monopole

Norm

GSpG 1989 §52 Abs1 Z1
VwGG §42 Abs2 Z1
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2022/12/0106 E 20. Oktober 2022 RS 1

Stammrechtssatz

Vom vierten Tatbild des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG 1989 ist beispielsweise die unternehmerische Vermietung von mit den Glücksspielgeräten fest verbundenen Banknotenlesegeräten erfasst. Eine Auslegung des Straftatbestandes der unternehmerischen Beteiligung iSd. Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG 1989 derart, dass etwa sämtliche Versorgungsunternehmen für Strom und Internet von einer Strafbarkeit erfasst würden, ist bei rechtsrichtiger Auslegung nicht zu befürchten, weil diese Unternehmer regelmäßig nicht mit Glücksspielgeräten fest verbaute Banknotenlesegeräte vermieten bzw. Verträge über die Weiterleitung von Spielaufträgen abschließen, sondern keine Kenntnis von der Tätigkeit ihres Auftragnehmers haben vergleiche VwGH 14.7.2017, Ra 2016/17/0264).

Schlagworte

Besondere Rechtsgebiete

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2022120120.L01

Im RIS seit

19.11.2022

Zuletzt aktualisiert am

22.11.2022

Dokumentnummer

JWR_2022120120_20221020L01

Rechtssatz für Ra 2022/12/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2022/12/0120

Entscheidungsdatum

20.10.2022

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
34 Monopole

Norm

GSpG 1989 §2 Abs4
GSpG 1989 §52 Abs1 Z1
VwGG §42 Abs2 Z1
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2019/15/0144 E 25. Juni 2020 RS 3

Stammrechtssatz

Auch das entgeltliche Überlassen von Räumlichkeiten kann das vierte Tatbild des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG erfüllen vergleiche VwGH 15.12.2017, Ra 2017/17/0012; 14.8.2018, Ra 2017/17/0357; 14.11.2018, Ra 2017/17/0488). Dies setzt aber insbesondere entsprechende Feststellungen zur subjektiven Tatseite der die Räumlichkeiten überlassenden Person voraus. Um dies beurteilen zu können, sind im Allgemeinen Feststellungen zum Kenntnisstand der sich unternehmerisch beteiligenden Person betreffend die Tätigkeit der Person erforderlich, die unmittelbar zur Teilnahme vom Inland aus verbotene Ausspielungen im Sinne des Paragraph 2, Absatz 4, GSpG veranstaltet, organisiert oder unternehmerisch zugänglich macht vergleiche VwGH 30.8.2019, Ra 2018/17/0162) oder bedarf es der Feststellung anderer Anhaltspunkte - etwa aus der konkreten Ausgestaltung der (Unter)Mietverhältnisse - für eine subjektiv vorwerfbare unternehmerische Beteiligung iSd vierten Tatbildes des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG vergleiche VwGH 15.12.2017, Ra 2017/17/0012, Rz 13). Dies zeigt sich gerade bei der entgeltlichen Überlassung von Räumlichkeiten, wo - anders als bei mit Glücksspielgeräten fest verbauten Banknotenlesegeräten - für den Überlasser eine mögliche unternehmerische Beteiligung an verbotenen Ausspielungen nicht ohne besondere Indizienlage hinsichtlich der Nutzung des von ihm überlassenen Objektes erkennbar und somit subjektiv vorwerfbar ist.

Schlagworte

Besondere Rechtsgebiete

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2022120120.L02

Im RIS seit

19.11.2022

Zuletzt aktualisiert am

22.11.2022

Dokumentnummer

JWR_2022120120_20221020L02

Rechtssatz für Ra 2022/12/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2022/12/0120

Entscheidungsdatum

20.10.2022

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
34 Monopole

Norm

GSpG 1989 §52 Abs1 Z1
VwGG §42 Abs2 Z1
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2022/12/0106 E 20. Oktober 2022 RS 3

Stammrechtssatz

Eine unternehmerische Beteiligung iSd. Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG 1989 setzt Kenntnis des Vermieters von der Veranstaltung von Glücksspielen voraus vergleiche VwGH 14.7.2017, Ra 2016/17/0264).

Schlagworte

Besondere Rechtsgebiete

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2022120120.L03

Im RIS seit

19.11.2022

Zuletzt aktualisiert am

22.11.2022

Dokumentnummer

JWR_2022120120_20221020L03

Rechtssatz für Ra 2022/12/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2022/12/0120

Entscheidungsdatum

20.10.2022

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
34 Monopole

Norm

GSpG 1989 §52 Abs1 Z1
VwGG §42 Abs2 Z1
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2018/17/0162 E 30. August 2019 RS 2

Stammrechtssatz

Keinesfalls ist allein der Umstand, dass der Vermieter keine Kenntnis von der Nutzung des Mietobjektes zur Veranstaltung von Glücksspielen hat, als Sorgfaltsverstoß zu werten, der dazu führen könnte, dass eine unternehmerische Beteiligung im Sinne des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG vorläge.

Schlagworte

Besondere Rechtsgebiete

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2022120120.L04

Im RIS seit

19.11.2022

Zuletzt aktualisiert am

22.11.2022

Dokumentnummer

JWR_2022120120_20221020L04

Entscheidungstext Ra 2022/12/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2022/12/0120

Entscheidungsdatum

20.10.2022

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
34 Monopole

Norm

GSpG 1989 §2 Abs4
GSpG 1989 §52 Abs1 Z1
VwGG §42 Abs2 Z1
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Thoma sowie die Hofrätinnen Mag.a Nussbaumer-Hinterauer und Dr. Holzinger als Richterinnen, unter Mitwirkung des Schriftführers Mag. Binder, über die Revision der R K in B, vertreten durch die Hosp, Hegen Rechtsanwaltspartnerschaft in 5020 Salzburg, Hellbrunner Straße 9a, gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Salzburg vom 22. Juni 2022, 405-10/1155/1/10-2022, betreffend Übertretungen des Glücksspielgesetzes (belangte Behörde vor dem Verwaltungsgericht: Landespolizeidirektion Salzburg), zu Recht erkannt:

Spruch

Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Der Bund hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Begründung

1
Mit Straferkenntnis der Landespolizeidirektion Salzburg vom 20. Dezember 2021 wurde die Revisionswerberin der achtfachen Übertretung des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild in Verbindung mit , Paragraph 52, Absatz 2, in Verbindung mit , Paragraph 2, Absatz 4, Glücksspielgesetz (GSpG) schuldig erkannt. Es wurden über sie acht Geldstrafen in der Höhe von jeweils € 3.000,- (sowie im Nichteinbringungsfall jeweils eine Ersatzfreiheitsstrafe in der Dauer von einem Tag) verhängt. Sie habe sich durch die Bereitstellung von näher genannten Räumlichkeiten gegen Entgelt an einen Mieter als Unternehmerin an der Veranstaltung von Glücksspielen in Form verbotener Ausspielungen, an denen vom Inland aus teilgenommen werden konnte, beteiligt.
2
Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Salzburg die dagegen erhobene Beschwerde als unbegründet ab, bestätigte das Straferkenntnis unter Konkretisierung des Tatvorwurfes und der angewandten Strafsanktionsnorm im Spruch, verpflichtete die Revisionswerberin zur Zahlung eines Beitrags zu den Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von € 600,- je Spruchpunkt, insgesamt sohin € 4.800,-, und sprach aus, dass die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei.
3
Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. Zur Zulässigkeit ihrer Revision bringt die Revisionswerberin unter anderem vor, das Verwaltungsgericht habe keine Feststellungen getroffen, aus denen ableitbar wäre, dass die Revisionswerberin Kenntnis davon gehabt habe, dass in den von ihr vermieteten Räumlichkeiten illegales Glückspiel durchgeführt werde.
4
Die belangte Behörde erstattete keine Revisionsbeantwortung.

Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:

5
Die vorliegende Revision ist zulässig und berechtigt.
6
Wie der Verwaltungsgerichtshof bereits mehrfach erkannt hat, kommt als Täter, der im Sinne des ersten Tatbildes des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG zur Teilnahme vom Inland aus verbotene Ausspielungen im Sinne des Paragraph 2, Absatz 4, GSpG veranstaltet, in Betracht, wer das Spiel auf seine Rechnung und Gefahr ermöglicht, also das Risiko des Gewinns und Verlusts in seiner Vermögenssphäre trägt. Dagegen ist mit dem vierten Tatbild des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG eine Person gemeint, die nicht Veranstalter ist, sondern sich nur in irgendeiner Weise an der Veranstaltung unternehmerisch im Sinne des Paragraph 2, Absatz 2, GSpG beteiligt (VwGH 14.7.2017, Ra 2016/17/0264, mwN).
7
Zur Erfüllung dieses Tatbestandes bedarf es weder einer unmittelbaren Rechtsbeziehung zwischen den Spielern und dem an den Ausspielungen Beteiligten im Sinne des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG, noch einer sonstigen „Ausübungshandlung“ bei der konkreten Durchführung der einzelnen Ausspielung des nach dieser letzten Variante zur Verantwortung gezogenen Beteiligten (VwGH 27.6.2019, Ra 2019/15/0021 und 0022, mwN).
8
Von diesem Tatbild ist - wie der Verwaltungsgerichtshof in seiner Rechtsprechung bereits ausgesprochen hat - beispielsweise die unternehmerische Vermietung von mit den Glücksspielgeräten fest verbundenen Banknotenlesegeräten erfasst. Dabei hat der Gerichtshof jedoch auch festgehalten, dass eine Auslegung des Straftatbestandes der unternehmerischen Beteiligung im Sinne des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG derart, dass etwa sämtliche Versorgungsunternehmen für Strom und Internet von einer Strafbarkeit erfasst würden, bei rechtsrichtiger Auslegung nicht zu befürchten sei, weil diese Unternehmer regelmäßig nicht mit Glücksspielgeräten fest verbaute Banknotenlesegeräte vermieten bzw. Verträge über die Weiterleitung von Spielaufträgen abschließen würden, sondern keine Kenntnis von der Tätigkeit ihres Auftragnehmers haben (VwGH 14.7.2017, Ra 2016/17/0264, mwN).
9
Auch das entgeltliche Überlassen von Räumlichkeiten kann das vierte Tatbild des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG erfüllen. Dies setzt aber insbesondere entsprechende Feststellungen zur subjektiven Tatseite der die Räumlichkeiten überlassenden Person voraus (VwGH 17.12.2020, Ra 2019/15/0161).
10
Um dies beurteilen zu können, sind im Allgemeinen Feststellungen zum Kenntnisstand der sich unternehmerisch beteiligenden Person betreffend die Tätigkeit der Person erforderlich, die unmittelbar zur Teilnahme vom Inland aus verbotene Ausspielungen im Sinne des Paragraph 2, Absatz 4, GSpG veranstaltet, organisiert oder unternehmerisch zugänglich macht oder es bedarf der Feststellung anderer Anhaltspunkte - etwa aus der konkreten Ausgestaltung der (Unter)Mietverhältnisse - für eine subjektiv vorwerfbare unternehmerische Beteiligung iSd vierten Tatbildes des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG. Dies zeigt sich gerade bei der entgeltlichen Überlassung von Räumlichkeiten, wo - anders als bei mit Glücksspielgeräten fest verbauten Banknotenlesegeräten - für den Überlasser eine mögliche unternehmerische Beteiligung an verbotenen Ausspielungen nicht ohne besondere Indizienlage hinsichtlich der Nutzung des von ihm überlassenen Objektes erkennbar und somit subjektiv vorwerfbar ist (VwGH 25.6.2020, Ra 2019/15/0144, mwN).
11
Im Revisionsfall stellte das Verwaltungsgericht fest, dass die Vermietung des fraglichen Geschäftslokals zunächst mit Mietvertrag vom 1. Juli 2017 (befristet auf die Dauer von fünf Jahren) an R A erfolgt sei. Dieser befristete Mietvertrag sei mit 31. Juli 2020 einvernehmlich vorzeitig aufgelöst und gleichzeitig ein neuer im Wesentlichen gleichlautender Mietvertrag auf drei Jahre befristet mit C römisch eins als Mieter, beginnend mit 1. August 2020, abgeschlossen worden. Auch dieser befristete Mietvertrag sei bereits nach wenigen Monaten mit Ende Jänner 2021 einvernehmlich vorzeitig aufgelöst und wieder ein neuer, im Wesentlichen gleichlautender, auf drei Jahre befristeter Mietvertrag mit E Y, beginnend am 1. Februar 2021, abgeschlossen worden.

Im Frühjahr 2018 sei (im Zeitraum des Mietverhältnisses mit R A) die Veranstaltung von illegalem Glücksspiel festgestellt worden, wovon die Revisionswerberin auch schriftlich informiert worden sei. Daraufhin habe die von der Revisionswerberin beauftragte Hausverwaltung den damaligen Mieter schriftlich aufgefordert, dies bei sonstiger fristloser Beendigung des Mietverhältnisses umgehend zu unterlassen. Weitere Schritte (wie etwa eine spätere persönliche Nachschau, ob im Lokal noch Glücksspielautomaten aufgestellt wären), seien seitens der Revisionswerberin nicht erfolgt.

Im Rahmen einer weiteren Glücksspielkontrolle am 9. Februar 2020 seien wieder illegale Glücksspielautomaten vorgefunden, bespielt und beschlagnahmt worden. Davon sei die Revisionswerberin mit Schreiben der Finanzpolizei vom 31. August 2020 in Kenntnis gesetzt worden.

Bis auf die Präzisierung des Geschäftszweckes durch den Zusatz „im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen“ in den neuen Mietverträgen mit den Nachmietern C römisch eins und E Y habe die Revisionswerberin keine weiteren Veranlassungen getroffen. Insbesondere habe sie weder selbst im Geschäftslokal persönlich Nachschau gehalten, ob dort illegale Glücksspielautomaten aufgestellt seien, noch ihre Hausverwaltung dazu beauftragt.

Am 14. Dezember 2020 habe die Finanzpolizei im Rahmen einer weiteren glücksspielrechtlichen Kontrolle im Lokal elf neue Spielautomaten vorgefunden.

Schließlich seien im Rahmen der verfahrensgegenständlichen vierten glücksspielrechtlichen Kontrolle am 21. Februar 2021 wiederum acht neue Spielautomaten vorgefunden worden.

Nach Ansicht des Verwaltungsgerichtes könne aus dem Umstand, dass die der Revisionswerberin von der Finanzpolizei in den Schreiben vom Frühjahr 2018 und vom 31. August 2020 zur Kenntnis gebrachten Veranstaltungen von illegalem Automatenglücksspiel in ihrem Mietobjekt nicht die im Tatzeitpunkt (21. Februar 2021) aktuelle Mieterin E Y, sondern den früheren Mieter R A betroffen hätten, nicht die fehlende subjektive Vorwerfbarkeit abgeleitet werden. Der Mietvertrag mit R A sei über dessen alleiniges Bestreben am 31. Juli 2020 vorzeitig einvernehmlich aufgelöst worden und sei dabei C römisch eins als Nachmieter präsentiert worden bzw. wäre C römisch eins von sich an die Revisionswerberin als Nachmieter herangetreten. Nach einer weiteren Lokalkontrolle am 14. Dezember 2020 sei der Mietvertrag mit C römisch eins aufgelöst und ein neuer (gleichlautender) Mietvertrag mit E Y abgeschlossen worden. Zudem habe sich das Geschäftslokal trotz Mieterwechsels im optischen Erscheinungsbild nicht verändert. Aufgrund dieser Umstände und der Tatsache, dass bis zum Tatzeitpunkt bereits dreimal verbotene Ausspielungen nach dem GSpG festgestellt und der Revisionswerberin auch mitgeteilt worden seien, wäre im Hinblick auf die Nutzung durch die Nachmieterin eine erhöhte Aufmerksamkeit der Revisionswerberin geboten gewesen, um bei weiteren verbotenen Ausspielungen sofort die entsprechenden Maßnahmen veranlassen zu können. Es wäre zumindest eine Nachschau bzw. Kontrolle durch die Vermieterin im vermieteten Lokal auf das Aufstellen von neuen illegalen Glücksspielgeräten im Mietobjekt auch nach dem Mieterwechsel geboten gewesen.

12
Wie schon die vorliegende Zulässigkeitsbegründung der Revision zutreffend geltend macht, reichen die Feststellung des Verwaltungsgerichtes im angefochtenen Erkenntnis nicht aus, um die Annahme einer subjektiv vorwerfbaren Erfüllung des vierten Tatbilds des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, GSpG nachvollziehbar zu begründen. Das Verwaltungsgericht stützt das angefochtene Erkenntnis maßgeblich drauf, dass seitens der Revisionswerberin aufgrund der Ergebnisse der glücksspielrechtlichen Kontrollen im von ihr vermieteten Lokal unter den früheren Mietern und der näheren Umstände der Mieterwechsel sowie infolge des unveränderten optischen Erscheinungsbildes des Lokals nach den Mieterwechseln eine erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich der Nutzung durch E Y geboten gewesen wäre. Insbesondere wäre eine Nachschau oder Kontrolle durch die Revisionswerberin betreffend das Aufstellen von neuen illegalen Glücksspielgeräten im Mietobjekt geboten gewesen.
13
Damit verkennt das Verwaltungsgericht aber, dass eine unternehmerische Beteiligung im Sinne des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG Kenntnis des Vermieters von der Veranstaltung von Glücksspielen voraussetzt (VwGH 14.7.2017, Ra 2016/17/0264). Keinesfalls ist allein der Umstand, dass der Vermieter keine Kenntnis von der Nutzung des Mietobjektes zur Veranstaltung von Glücksspielen hat, als Sorgfaltsverstoß zu werten, der dazu führen könnte, dass eine unternehmerische Beteiligung im Sinne des Paragraph 52, Absatz eins, Ziffer eins, viertes Tatbild GSpG vorläge (VwGH 30.8.2019, Ra 2018/17/0162).
14
Das angefochtene Erkenntnis war daher unter Abstandnahme von der beantragten Verhandlung gemäß Paragraph 39, Absatz 2, Ziffer 4, VwGG gemäß Paragraph 42, Absatz 2, Ziffer eins, VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben.
15
Der Ausspruch über den Aufwandersatz gründet sich auf Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit , der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014.
16
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich eine Entscheidung über den Antrag, der Revision die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.

Wien, am 20. Oktober 2022

Schlagworte

Besondere Rechtsgebiete

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2022:RA2022120120.L00

Im RIS seit

19.11.2022

Zuletzt aktualisiert am

22.11.2022

Dokumentnummer

JWT_2022120120_20221020L00