Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2016/02/0199

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2016/02/0199

Entscheidungsdatum

13.12.2016

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
10/07 Verwaltungsgerichtshof
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

VStG §31 Abs2;
VwGG §42 Abs2 Z1;
VwGVG 2014 §29 Abs4;
VwRallg;
  1. VStG § 31 heute
  2. VStG § 31 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 57/2018
  3. VStG § 31 gültig von 01.07.2013 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VStG § 31 gültig von 26.03.2009 bis 30.06.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 20/2009
  5. VStG § 31 gültig von 01.01.1999 bis 25.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 158/1998
  6. VStG § 31 gültig von 01.07.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 620/1995
  7. VStG § 31 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Rechtssatz

Die Frist des Paragraph 31, Absatz 2, VStG ist nur dann gewahrt, wenn das Erkenntnis des VwG innerhalb der dort genannten Frist gegenüber dem Beschuldigten rechtswirksam erlassen wurde. Die Erlassung gegenüber einer anderen Verfahrenspartei (etwa der Bezirkshauptmannschaft) ist nicht geeignet, diese Wirkung herbeizuführen vergleiche E 18. Mai 2016, Ra 2015/17/0029; E 29. Juli 2014, Ro 2014/02/0074). Da die Zustellung des angefochtenen Erkenntnisses an den Beschuldigten erst nach Ablauf der in Paragraph 31, Absatz 2, VStG geregelten Frist, und damit nach Eintritt der Strafbarkeitsverjährung, erfolgte, hat das VwG den angefochtenen Bescheid mit Rechtswidrigkeit des Inhaltes belastet.

Schlagworte

Rechtsgrundsätze Verjährung im öffentlichen Recht VwRallg6/6 Rechtsgrundsätze Fristen VwRallg6/5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016020199.L01

Im RIS seit

04.01.2017

Zuletzt aktualisiert am

10.04.2019

Dokumentnummer

JWR_2016020199_20161213L01

Entscheidungstext Ra 2016/02/0199

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2016/02/0199

Entscheidungsdatum

13.12.2016

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein;
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
40/01 Verwaltungsverfahren;

Norm

VStG §31 Abs2;
VwGG §42 Abs2 Z1;
VwGVG 2014 §29 Abs4;
VwRallg;
  1. VStG § 31 heute
  2. VStG § 31 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 57/2018
  3. VStG § 31 gültig von 01.07.2013 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VStG § 31 gültig von 26.03.2009 bis 30.06.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 20/2009
  5. VStG § 31 gültig von 01.01.1999 bis 25.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 158/1998
  6. VStG § 31 gültig von 01.07.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 620/1995
  7. VStG § 31 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Beck, den Hofrat Mag. Dr. Köller und die Hofrätin Mag. Dr. Maurer-Kober als Richter, unter Mitwirkung der Schriftführerin Mag. Harrer, über die Revision des R in W, vertreten durch Dr. Rainer Handl, Rechtsanwalt in 1010 Wien, Franziskanerplatz 1/10, gegen das Erkenntnis des Verwaltungsgerichts Wien vom 17. August 2016, Zl. VGW- 001/076/11833/2015-9, betreffend Übertretung nach dem Wiener Kinogesetz (Partei gemäß Paragraph 21, Absatz eins, Ziffer 2, VwGG: Magistrat der Stadt Wien), zu Recht erkannt:

Spruch

Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Das Land Wien hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Begründung

1 Mit Straferkenntnis des Magistrates der Stadt Wien vom 21. August 2015 wurde der Revisionswerber schuldig erachtet, er habe jeweils am 25. August 2013 als "kinorechtlicher Geschäftsführer" zwei Übertretungen des Wiener Kinogesetzes begangen, weshalb über ihn zwei Geldstrafen mit Ersatzfreiheitsstrafen verhängt wurden.

2 Der dagegen erhobenen Beschwerde hat das Verwaltungsgericht mit dem angefochtenen Erkenntnis insoweit Folge gegeben, als hinsichtlich einer Übertretung eine Ermahnung erteilt und hinsichtlich der zweiten Übertretung die Geldstrafe herabgesetzt wurde.

3 Nach einer im Verwaltungsakt einliegenden Meldeauskunft vom 8. September 2016 hatte der Revisionswerber bis 8. August 2003 an der Anschrift L-Gasse 9 in W einen Nebenwohnsitz und vom 8. August 2003 bis zum 8. Jänner 2016 einen Hauptwohnsitz gemeldet. Seit 8. Jänner 2016 war der Revisionswerber an der Anschrift S-Straße 26 in W hauptgemeldet.

4 Die vom Verwaltungsgericht verfügte Zustellung des angefochtenen Erkenntnisses vom 17. August 2016 an den Revisionswerber wurde am 18. August 2016 an die Anschrift L-Gasse 9 in W abgefertigt. Auf der an das Verwaltungsgericht am 22. August 2016 retournierten Sendung war die Anschrift durchgestrichen und der Hinweis angebracht "Ortsabwesend bis 26. 8. 16". Auf Anfrage des Verwaltungsgerichtes teilte die zuständige Postfiliale mit, dass der Revisionswerber am 11. August 2016 der Post seine Ortsabwesenheit von der Anschrift S-Straße 26 vom 17. August bis zum 26. August 2016 bekanntgegeben und die Rücksendung von RSa- und RSb-Briefen verfügt hat. Das Verwaltungsgericht hat das angefochtene Erkenntnis neuerlich an die Anschrift L-Gasse 9 in W versandt, wo es bei der zuständigen Postfiliale nach einem Zustellversuch am 1. September 2016 am 2. September 2016 hinterlegt wurde.

5 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes.

6 Der Magistrat der Stadt Wien nahm unter Hinweis auf eine allfällige Verjährungsproblematik von einer Revisionsbeantwortung in der Sache Abstand.

7 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:

8 Der Revisionswerber macht Verjährung nach Paragraph 31, Absatz 2, VStG geltend.

9 Gemäß Paragraph 31, Absatz 2, VStG tritt Strafbarkeitsverjährung ein, wenn das Straferkenntnis bzw. die dieses bestätigende Entscheidung erst nach Ablauf von drei Jahren, gerechnet ab dem in Absatz eins, genannten Zeitpunkt (Tatzeit), erlassen wird. Zudem ist nach der ständigen Rechtsprechung die Frist des Paragraph 31, Absatz 2, VStG nur dann gewahrt, wenn das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes innerhalb der dort genannten Frist gegenüber dem Beschuldigten rechtswirksam erlassen wurde. Die Erlassung gegenüber einer anderen Verfahrenspartei (etwa der Bezirkshauptmannschaft) ist nicht geeignet, diese Wirkung herbeizuführen vergleiche , etwa VwGH vom 18. Mai 2016, Ra 2015/17/0029, mwN, und vom 29. Juli 2014, Ro 2014/02/0074, mwN).

10 Die Revision ist zulässig und berechtigt.

11 Da die Zustellung des angefochtenen Erkenntnisses an den Revisionswerber als (einer Tat am 25. August 2013) Beschuldigten am 2. September 2016 erst nach Ablauf der in Paragraph 31, Absatz 2, VStG geregelten Frist, und damit nach Eintritt der Strafbarkeitsverjährung, erfolgte, hat die belangte Behörde den angefochtenen Bescheid mit Rechtswidrigkeit des Inhaltes belastet, weshalb er nach Paragraph 42, Absatz 2, Ziffer eins, VwGG aufzuheben war.

12 Der Ausspruch über den Aufwandersatz stützt sich auf die Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit Paragraph 79, Absatz 11, VwGG und Paragraphen 3 und 4 der VwGH-Aufwandersatzverordnung, Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 518 aus 2013, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 8 aus 2014,, in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008, Bundesgesetzblatt , II Nr. 455.

Wien, am 13. Dezember 2016

Schlagworte

Rechtsgrundsätze Verjährung im öffentlichen Recht VwRallg6/6 Rechtsgrundsätze Fristen VwRallg6/5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016020199.L00

Im RIS seit

04.01.2017

Zuletzt aktualisiert am

10.04.2019

Dokumentnummer

JWT_2016020199_20161213L00