Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

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Entscheidungstext 90/09/0196

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

90/09/0196

Entscheidungsdatum

21.02.1991

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein;
10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
40/01 Verwaltungsverfahren;
63/01 Beamten-Dienstrechtsgesetz;

Norm

AVG §68 Abs1;
BDG 1979 §105 Z1 idF 1986/389;
BDG 1979 §123 Abs2;
B-VG Art131 Abs1 Z1;
VwGG §34 Abs1;
VwRallg;
  1. BDG 1979 § 105 heute
  2. BDG 1979 § 105 gültig ab 30.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 205/2022
  3. BDG 1979 § 105 gültig von 31.07.2016 bis 29.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 64/2016
  4. BDG 1979 § 105 gültig von 01.01.2014 bis 30.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 210/2013
  5. BDG 1979 § 105 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 96/2007
  6. BDG 1979 § 105 gültig von 29.05.2002 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2002
  7. BDG 1979 § 105 gültig von 01.07.1997 bis 28.05.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/1997
  8. BDG 1979 § 105 gültig von 01.08.1996 bis 30.06.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 375/1996
  9. BDG 1979 § 105 gültig von 01.01.1994 bis 31.07.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 16/1994
  10. BDG 1979 § 105 gültig von 11.07.1991 bis 31.12.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 362/1991
  11. BDG 1979 § 105 gültig von 01.08.1986 bis 10.07.1991 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 389/1986
  12. BDG 1979 § 105 gültig von 01.01.1980 bis 31.07.1986
  1. BDG 1979 § 123 heute
  2. BDG 1979 § 123 gültig ab 09.07.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2019
  3. BDG 1979 § 123 gültig von 01.01.2014 bis 08.07.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 120/2012
  4. BDG 1979 § 123 gültig von 01.01.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 140/2011
  5. BDG 1979 § 123 gültig von 29.05.2002 bis 31.12.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2002
  6. BDG 1979 § 123 gültig von 01.07.1997 bis 28.05.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/1998
  7. BDG 1979 § 123 gültig von 01.07.1997 bis 30.06.1997 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/1997
  8. BDG 1979 § 123 gültig von 01.01.1985 bis 30.06.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 550/1984
  9. BDG 1979 § 123 gültig von 01.01.1980 bis 31.12.1984
  1. B-VG Art. 131 heute
  2. B-VG Art. 131 gültig ab 27.02.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 131 gültig von 01.02.2019 bis 26.02.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  4. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2019 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  5. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  6. B-VG Art. 131 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2003 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 99/2002
  9. B-VG Art. 131 gültig von 04.09.1999 bis 31.12.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 194/1999
  10. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1998 bis 03.09.1999 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  11. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  12. B-VG Art. 131 gültig von 28.04.1975 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 316/1975
  13. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1975 bis 27.04.1975 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  14. B-VG Art. 131 gültig von 18.07.1962 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  15. B-VG Art. 131 gültig von 25.12.1946 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  16. B-VG Art. 131 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  17. B-VG Art. 131 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Karlik und die Hofräte Mag. Meinl und Dr. Germ als Richter, im Beisein des Schriftführers Mag. Fritz, über die Beschwerde des N gegen den Bescheid der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Finanzen vom 8. Oktober 1990, GZ. 11.053-DK/89, betreffend Einleitungsbeschluß in einer Disziplinarsache, zu Recht erkannt:

Spruch

Der angefochtene Bescheid wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Der Bund hat dem Beschwerdeführer Aufwendungen in der Höhe von S 10.680,-- binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Begründung

Der Beschwerdeführer steht als Revierinspektor der Zollwache in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Seine Dienststelle ist das Hauptzollamt Wien.

Nach Ausweis der Akten des Verwaltungsverfahrens hatte die belangte Behörde auf Grund der vom Dienstvorgesetzten am 28. Juli 1989 an die Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland erstatteten Disziplinaranzeige am 6. September 1989 beschlossen, gegen den Beschwerdeführer gemäß Paragraph 123, des Beamten-Dienstrechtsgesetzes 1979, Bundesgesetzblatt Nr. 333 (BDG 1979), das Disziplinarverfahren einzuleiten. Der Beschwerdeführer stehe im Verdacht, er habe

römisch eins.

a) als zur Vertretung des Fan- und Freizeitclubs "D", welcher als unbefugter Gastgewerbebetrieb in Wien, X-Gasse 28, geführt worden sei, nach außen Berufener seine Nebenbeschäftigung im Sinne des Paragraph 56, Absatz eins, BDG 1979, gemäß dem Absatz 3, der zitierten Bestimmung nicht gemeldet;

b) als zur Vertretung des Fan- und Freizeitclubs "D" nach außen Berufener gemäß der Strafverfügung und dem Straferkenntnis des Magistrates der Stadt Wien vom 17. März 1989, Zl. 2-160219/Str und vom 12. April 1989, Zl. MBA 2-160229/Str, entgegen den Rechtsvorschriften eine ausländische Staatsangehörige beschäftigt;

c) als zur Vertretung des Fan- und Freizeitclubs "D" nach außen Berufener gemäß der Strafverfügung des Magistrates der Stadt Wien vom 17. März 1989, Zl. MBA 2160239/Str ein konzessioniertes Gewerbe ausgeübt, ohne die erforderliche Konzession hiefür erlangt zu haben;

römisch zwei.

sich Organen der öffentlichen Sicherheit gegenüber im Feber 1989 in Wien, X-Gasse 28, ohne Dienstauftrag und unter Verwendung seines Dienstabzeichens für den Erhebungsdienst der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland, als verdeckter Suchtgiftfahnder ausgegeben;

römisch drei.

am 16. März 1989 entgegen den Weisungen des Dienstvorgesetzten während der von ihm im Dienstbuch ausgewiesenen Zeit von 14.00 Uhr den angeordneten Kanzleidienst in seiner Dienststelle in Wien, R-Gasse 9, ab ca. 15.00 Uhr nicht vollzogen und sich zu außerdienstlichen Zwecken in das Kaffeehaus H in Wien, im Bereiche des Z-Platzes, begeben;

römisch vier.

a) von ihm mit verrechenbaren Drucksorten FStr 65, Nr. 8920, Bl. 15-20, am 23. Juni, 29. Oktober, 3. Juli und 22. November 1988 sowie Za 19a Nr. 192735, Bl. 9 und 10, am 23. Feber 1988, eingehobene Geldbeträge von insgesamt S 4500, erst am 2. März 1989,

b) von ihm mit verrechenbaren Drucksorten FStr 65, Nr. 8920, Bl. 15-17 am 23. Juni, Ende Juni, Anfang Juli und am 3. Juli 1988 abgenommene Tatgegenstände und zwar zwei Flaschen zu 1 Liter Napoleon Vinjak, 800 Stk. Zigaretten der Marke Marlboro, 10 Dosen Kaviar, im Gesamtgewicht von 1,96 Kilo und 1000 Stück Zigaretten der Marke Lord Extra, erst am 2. September 1988,

c) die von der Zollkasse an Rev.Insp. A am 6. Oktober 1986 ausgegebene und von ihm am 22. November 1988 ausgeschriebene verrechenbare Drucksorte FStr 65, Nr. 8920, erst am 3. März 1989 der Zollkasse des Zollamtes Wien abgeführt

und somit gegen die Verfügung des Zollamtes Wien vom 3. August 1988, Zl. Org/0-300/1392/12/88 sowie

zu a) und b) gegen die Zollkassenvorschrift TZ 1.3.(3) und

zu c) gegen die Zollkassenvorschrift TZ 1.3.6.(4) verstoßen

und hiedurch folgende Dienstpflichten verletzt:

zu römisch eins.a) nach Paragraph 56, Absatz 3, BDG 1979

zu römisch eins.b) und c) sowie römisch zwei. nach Paragraph 43, Absatz 2, BDG 1979 zu römisch drei. nach Paragraphen 44, Absatz eins und 48 Absatz eins, BDG 1979 zu römisch vier.nach Paragraph 44, Absatz eins, BDG 1979

Dieser Bescheid war unangefochten in Rechtskraft erwachsen.

Mit Schreiben vom 18. Juni 1990 teilte der Beschwerdeführer der belangten Behörde mit, daß er bei "zufälliger Durchsicht" des oben wiedergegebenen Bescheides festgestellt habe, daß anläßlich der Beschlußfassung entgegen der Bestimmung des Paragraph 101, Absatz 2, BDG 1979 kein Mitglied des Berufsstandes, welches vom Zentralausschuß der Zollwache bestellt worden sei, anwesend gewesen sei. Er ersuche daher um bescheidmäßige Feststellung, ob der Einleitungsbeschluß rechtswirksam sei.

Mit dem nunmehr vor dem Verwaltungsgerichtshof angefochtenen Bescheid vom 8. Oktober 1990, der wortwörtlich mit dem oben wiedergegebenen Bescheid übereinstimmt, beschloß die belangte Behörde in geänderter Senatszusammensetzung abermals, gegen den Beschwerdeführer aus den oben dargelegten Gründen das Disziplinarverfahren gemäß Paragraph 123, Absatz eins, BDG 1979 einzuleiten.

Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende, wegen inhaltlicher Rechtswidrigkeit erhobene Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof.

Die belangte Behörde legte die Akten des Disziplinarverfahrens vor; von der ihr eingeräumten Möglichkeit, zur Beschwerde eine Gegenschrift zu erstatten, machte sie keinen Gebrauch.

Der Gerichtshof hat erwogen:

Im Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof erachtet sich der Beschwerdeführer durch den angefochtenen Bescheid in seinem Recht darauf, daß ein Disziplinarverfahren gegen ihn nicht trotz gemäß Paragraph 94, Absatz eins, Ziffer eins, BDG 1979 eingetretener Verjährung eingeleitet (die Durchführung nach Paragraph 123, leg. cit. verfügt) werde, durch unrichtige Anwendung dieser Norm verletzt. Weiters erachtet er sich durch den angefochtenen Bescheid in dem aus Paragraphen 68, ff AVG abzuleitenden Recht verletzt, daß nicht eine Doppelentscheidung in ein und derselben Sache ergehe. Wäre der Bescheid vom 8. September 1989 als Einleitungsbeschluß (weiterhin) wirksam, so hätte der nunmehr vor dem Verwaltungsgerichtshof angefochtene Bescheid nicht erlassen werden dürfen.

Die Beschwerde ist begründet.

Da gegen den Beschluß auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gemäß Paragraph 123, Absatz 2, letzter Satz BDG 1979 kein Rechtsmittel zulässig ist, ist damit der Instanzenzug erschöpft und nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergleiche ua. das Erkenntnis vom 18. Oktober 1990, Zl. 90/09/0107) die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof zulässig. Der Beschwerdeführer hat es unterlassen, eine solche Beschwerde gegen den Bescheid vom 8. September 1989 zu erheben. Dieser Einleitungsbeschluß ist damit nicht Gegenstand dieses verwaltungsgerichtlichen Verfahrens, sodaß es sich in dem anhängigen Verfahren der Kognition durch den Verwaltungsgerichtshof entzieht, ob dieser Beschluß in Widerspruch zu Paragraph 101, Absatz 2, BDG 1979 gefaßt wurde und daher rechtswidrig ist; ungeachtet dessen ist dieser Einleitungsbeschluß rechtskräftig.

Nach Paragraph 68, Absatz eins, AVG, welche Bestimmung zufolge der ausdrücklichen Verweisung in Paragraph 105, Ziffer eins, BDG 1979 auch im Disziplinarverfahren Anwendung zu finden hat, sind Anbringen von Beteiligten, die außer den Fällen der Paragraphen 69 und 71 die Abänderung eines der Berufung nicht oder nicht mehr unterliegenden Bescheides begehren, wenn die Behörde nicht den Anlaß zu einer Verfügung gemäß Paragraph 68, Absatz 4, AVG findet, wegen entschiedener Sache zurückzuweisen. Bei unverändertem Sachverhalt ist die Disziplinarbehörde angesichts der imperativen Bestimmung des Paragraph 68, Absatz eins, AVG gar nicht berechtigt, eine rechtskräftig entschiedene Sache nochmals aufzurollen. Die Rechtskraft bewirkt bei unverändertem Sachverhalt und unveränderter Rechtslage das Prozeßhindernis der rechtskräftig entschiedenen Sache.

Ist ein Bescheid unanfechtbar und unwiderrufbar geworden, so entfaltet er die Wirkung, daß die mit ihm erledigte Sache nicht neuerlich entschieden werden kann. Diese Rechtswirkung wird Unwiederholbarkeit genannt ("ne bis in idem crimen iudicetur").

Da sich der nunmehr vor dem Verwaltungsgerichtshof angefochtene Bescheid über den in Rechtskraft erwachsenen Einleitungsbeschluß vom 8. September 1989 hinwegsetzt, mußte er iSd Paragraph 42, Absatz 2, Ziffer eins, VwGG schon aus diesem Grunde wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes der Aufhebung verfallen.

Der Ausspruch über den Aufwandersatz stützt sich auf die Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit der Verordnung des Bundesministers für Gesundheit und öffentlicher Dienst vom 17. April 1989, Bundesgesetzblatt Nr. 206.

Schlagworte

Offenbare Unzuständigkeit des VwGH Nichterschöpfung des Instanzenzuges Besondere Rechtsgebiete Dienstrecht Rechtskraft Umfang der Rechtskraftwirkung Allgemein Bindung der Behörde

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:1991:1990090196.X00

Im RIS seit

11.07.2001

Zuletzt aktualisiert am

08.10.2013

Dokumentnummer

JWT_1990090196_19910221X00

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