Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für 2009/15/0169

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 8648 F/2011

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

2009/15/0169

Entscheidungsdatum

31.05.2011

Index

E1E
E6J
59/04 EU - EWR

Norm

11997E087 EG Art87;
12010E107 AEUV Art107;
62004CJ0393 Air Liquide Industries Belgium VORAB;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): 2009/15/0159 E 31. Mai 2011 2009/13/0215 E 6. Juli 2011 2009/13/0187 E 19. Oktober 2011 2009/13/0218 E 19. Oktober 2011 2009/13/0212 E 6. Juli 2011

Rechtssatz

Durch Artikel 107 AEUV (Artikel 87 EG) soll verhindert werden, dass der Handel zwischen Mitgliedstaaten durch von staatlichen Stellen gewährte Vergünstigungen beeinträchtigt wird, die in verschiedenartiger Weise durch die Bevorzugung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verfälschen oder zu verfälschen drohen. Voraussetzungen für die Qualifizierung einer nationalen Maßnahme als staatliche Beihilfe sind die Finanzierung dieser Maßnahme durch den Staat oder aus staatlichen Mitteln, das Vorliegen eines Vorteils für ein Unternehmen, die Selektivität dieser Maßnahme und die Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten und eine daraus resultierende Verfälschung des Wettbewerbs vergleiche EuGH 15. Juni 2006, C-393/04 und C-41/05, Air Liquide, ÖStZB 2007, 245, Rn 27 f). Der Begriff der Beihilfe umfasst nicht nur positive Leistungen, sondern auch staatliche Maßnahmen, die in verschiedener Form die Belastungen vermindern, die ein Unternehmen regelmäßig zu tragen hat, und die somit, obwohl sie keine Subventionen im strengen Sinne des Wortes darstellen, diesen nach Art und Wirkung gleichstehen vergleiche EuGH aaO, Rn 29).

Gerichtsentscheidung

EuGH 62004CJ0393 Air Liquide Industries Belgium VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2011:2009150169.X01

Im RIS seit

29.06.2011

Zuletzt aktualisiert am

16.11.2017

Dokumentnummer

JWR_2009150169_20110531X01

Rechtssatz für 2009/15/0169

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 8648 F/2011

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

2009/15/0169

Entscheidungsdatum

31.05.2011

Index

E6J
50/05 Kammern der gewerblichen Wirtschaft

Norm

62004CJ0266 Nazairdis VORAB;
62004CJ0393 Air Liquide Industries Belgium VORAB;
WKG 1998 §122 Abs7;
WKG 1998 §122 Abs8;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): 2009/15/0159 E 31. Mai 2011 2009/13/0215 E 6. Juli 2011 2009/13/0187 E 19. Oktober 2011 2009/13/0218 E 19. Oktober 2011 2009/13/0212 E 6. Juli 2011

Rechtssatz

Nach der ständigen Rechtsprechung des EuGH kann ein Unternehmer in einem seine Abgabenschuld betreffenden Abgabenverfahren nicht erfolgreich geltend machen, dass die Befreiung eines anderen Unternehmers (oder dessen niedrigere Besteuerung) eine unionsrechtswidrige Beihilfe sei. Der Schuldner einer Abgabe kann sich also nicht mit der Begründung, die Befreiung (oder niedrigere Besteuerung) anderer Unternehmer stelle eine staatliche Beihilfe dar, der Zahlung der Abgabe entziehen. Ein Abgabenschuldner könnte sich nur dann ausnahmsweise auf der Grundlage des Beihilfenverbotes seiner Zahlungspflicht entziehen, wenn eine Regelung vorliegt, nach welcher der Abgabenertrag unmittelbar einer Verwendung zugeführt werden muss, die ihrerseits die Beihilfenmaßnahme darstellt vergleiche 17. ÖJT Band IV/2, 131 bis 133, und das hg. Erkenntnis vom 28.April 2011, 2009/15/0172 mwH, insb den Hinweisen auf EuGH vom 27. Oktober 2005, C-266/04 u.a., Nazairdis u.a., ÖStZB 2007, 106, Rn 44, und EuGH Air Liquide, Rn 46). Ein solcher Ausnahmefall, bei welchem nach der zu Grunde liegenden Regelung das Aufkommen aus der Abgabe notwendig für die Finanzierung einer Beihilfe verwendet würde, liegt im Fall der Kammerumlage 2 nach dem WKG nicht vor. Es besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen der Abgabe und einer allfälligen beihilfenrelevanten Verwendung des Abgabenertrages.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62004CJ0266 Nazairdis VORAB
EuGH 62004CJ0393 Air Liquide Industries Belgium VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2011:2009150169.X02

Im RIS seit

29.06.2011

Zuletzt aktualisiert am

16.11.2017

Dokumentnummer

JWR_2009150169_20110531X02

Rechtssatz für 2009/15/0169

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 8648 F/2011

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

2009/15/0169

Entscheidungsdatum

31.05.2011

Index

E1E
E1N
59/04 EU - EWR

Norm

11994N172 EU-Beitrittsvertrag Akte Art172 Abs5;
11997E088 EG Art88 Abs3;
12010E108 AEUV Art108 Abs3;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): 2009/15/0159 E 31. Mai 2011 2009/13/0215 E 6. Juli 2011 2009/13/0187 E 19. Oktober 2011 2009/13/0218 E 19. Oktober 2011 2009/13/0212 E 6. Juli 2011

Rechtssatz

Für Altbeihilfen gilt ein von den nationalen Gerichten zu beachtendes Durchführungsverbot nach Artikel 108 Absatz 3, AEUV (Artikel 88 Absatz 3, EG) von vornherein nicht. Für Österreich ergibt sich aus Artikel 172 Absatz 5, der Akte über die Bedingungen des Beitritts des Königreichs Norwegen, der Republik Österreich, der Republik Finnland und des Königreichs Schweden und die Anpassungen der die Europäischen Union begründenden Verträge ("Beitrittsakte"), Bundesgesetzblatt Nr. 45 aus 1995,, dass die vor dem 1. Jänner 1994 bereits bestehenden Beihilferegelungen als Altbeihilfen gelten vergleiche Lang, 17. ÖJT Band IV/1, 57).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2011:2009150169.X03

Im RIS seit

29.06.2011

Zuletzt aktualisiert am

16.11.2017

Dokumentnummer

JWR_2009150169_20110531X03