Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für 93/04/0045

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

93/04/0045

Entscheidungsdatum

28.06.1994

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof
40/01 Verwaltungsverfahren

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 0658/69 E 29. Oktober 1970 RS 1

Stammrechtssatz

Wird ein Sachverhalt einer Verwaltungsvorschrift unterstellt, die durch die Tat nicht verletzt worden ist, dann ist der Bescheid seinem Inhalt nach rechtswidrig.

Schlagworte

Allgemein

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:1994:1993040045.X01

Im RIS seit

20.09.2001

Dokumentnummer

JWR_1993040045_19940628X01

Entscheidungstext 93/04/0045

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

93/04/0045

Entscheidungsdatum

28.06.1994

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof;
40/01 Verwaltungsverfahren;

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Griesmacher und die Hofräte DDr. Jakusch und Dr. Stöberl als Richter, im Beisein des Schriftführers Dr. Cerne, über die Beschwerde der A in römisch eins, vertreten durch Dr. B, Rechtsanwalt in M, gegen den Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenates in Tirol vom 18. Jänner 1993, Zl. 13/37-4/1992, betreffend Übertretung der Gewerbeordnung 1973, zu Recht erkannt:

Spruch

Der angefochtene Bescheid wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Der Bund hat der Beschwerdeführerin Aufwendungen in Höhe von S 12.980,-- binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Das Mehrbegehren wird abgewiesen.

Begründung

Mit dem im Instanzenzug gemäß Paragraph 66, Absatz 4, AVG ergangenen Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenates in Tirol vom 18. Jänner 1993 wurde der Beschwerdeführerin zur Last gelegt, sie habe

"es als für die Ausübung des Gast- und Schankgewerbes in der Betriebsform "Imbißstube" verantwortliche gewerberechtliche Geschäftsführerin der "X & Co" zu vertreten, daß der Betriebsraum ihres Gastgewerbebetriebes in M, im Erdgeschoß des Hauses H-Straße 30, welcher in räumlicher Verbindung mit einem dem Öffnungszeitengesetz, BGBl. 1958/156, i.d.F.

BGBl. 1989/633a, unterliegenden Gewerbebetrieb steht, indem der von derselben Unternehmung betriebene Detailhandel mit Nahrungs- und Genußmitteln, insbesondere mit Fleisch- und Wurstwaren, ausgeübt wird, am Sonntag den 24.3.1991 von 11.10 Uhr bis 11.45 Uhr, am Sonntag den 31.3.1991 von 10.30 Uhr bis 11.15 Uhr und am Ostermontag den 1.4.1991 von 10.15 Uhr bis 10.45 Uhr nicht geschlossen gehalten und in dieser Zeit Gästen der Aufenthalt gestattet und Gäste gegen Entgelt bewirtet wurden, obwohl gemäß Paragraph 2, Absatz 2, Sonn- und Feiertagsbetriebszeitengesetz an Sonn- und Feiertagen diese Betriebsstätte nur für Tätigkeiten im Rahmen der Sperrzeitenregelung gemäß Paragraph 198, GewO 1973 offen gehalten werden darf. Gemäß Paragraph 3, Absatz 7, Sperrzeitenverordnung 1975 in der Fassung LGBl. 1991/27, gelten für den gegenständlichen gemischten Betrieb die Betriebszeiten nach dem Öffnungszeitengesetz, BGBl. 1958/156, in der Fassung BGBl. 1989/633a, und der Tiroler Öffnungszeitenverordnung 1990 in der Fassung LGBl. 1990/10, wonach die Verkaufsstellen nur an Werktagen und zwar gemäß Paragraph eins, Absatz eins, Tiroler Öffnungszeitenverordnung 1990 frühestens ab 7.00 Uhr und gemäß Paragraph 3, Absatz eins, bzw. Paragraph 3 a, Absatz eins, Öffnungszeitengesetz an Samstagen bis längstens 13.00 bzw. 17.00 Uhr offengehalten werden dürfen.

Die übertretene Verwaltungsbestimmung lautet Paragraph 368, Ziffer 11, GewO 1973 in Verbindung mit Paragraph 198, Absatz 2, leg. cit. in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz 2 und Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 3, Sonn- und Feiertags-Betriebszeitengesetz i.V.m.

Paragraph 3, Absatz 7, Sperrzeitenverordnung 1975 in der Fassung LGBl. 1991/27, i. römisch fünf.m. Paragraph eins, Absatz eins, Tiroler Öffnungszeitenverordnung 1990 i.V.m.

Paragraph 3, Absatz eins, bzw. Paragraph 3 a, Absatz eins, Öffnungszeitengesetz in Verbindung mit Paragraph 370, Absatz 2, GewO 1973".

Wegen dieser Verwaltungsübertretung werde über die Beschwerdeführerin gemäß Paragraph 368, Einleitungssatz in Verbindung mit Paragraph 370, Absatz 2, GewO 1973 in Verbindung mit Paragraph 4, Absatz 2, Sonn- und Feiertags-Betriebszeitengesetz eine Geldstrafe in Höhe von S 3.000,--, falls diese uneinbringlich sei, eine Ersatzfreiheitsstrafe in der Dauer von drei Tagen verhängt.

Hiezu wurde im wesentlichen ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe eingestanden, daß die Geschäftsräumlichkeit zu den genannten Zeiten geöffnet gewesen und im Zuge des Imbißbetriebes zu diesen Zeiten Gäste verköstigt worden seien. Bei der Geschäftsräumlichkeit handle es sich um einen einzigen Raum, in dem sowohl das Gast- und Schankgewerbe in der Betriebsform "Imbißstube" als auch der Detailhandel mit Nahrungs- und Genußmitteln ausgeübt werde. Eine bauliche Abgrenzung zwischen dem Detailhandel und der Imbißstube bestehe nicht. Vielmehr seien die für die Imbißstube bestimmten Vitrinen gemischt mit den Vitrinen für den Detailhandel und die Tische und Sitzgelegenheiten auch in jenem Bereich aufgestellt, der dem Detailhandel zugeordnet werde. Es stehe daher fest, daß das Gastgewerbe in räumlicher Verbindung mit einem dem Öffnungszeitengesetz unterliegenden Gewerbe ausgeübt werde, weshalb die Geschäftsräumlichkeit zu den genannten Zeiten hätte geschlossen gehalten werden müssen.

Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende Beschwerde.

Die belangte Behörde legte die Akten des Verwaltungsstrafverfahrens vor und erstattete eine Gegenschrift mit dem Antrag, die Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen.

Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:

Die Beschwerdeführerin erachtet sich (erkennbar) in dem Recht verletzt, wegen der ihr zur Last gelegten Verwaltungsübertretung nicht bestraft zu werden. Sie bringt in Ausführung dieses Beschwerdepunktes - neben einer Kritik an der Verständlichkeit des Spruches des angefochtenen Bescheides - im wesentlichen vor, die beiden Gewerbebetriebe seien zwar nicht räumlich getrennt, sie würden aber "funktionell voneinander unabhängig betrieben", wovon auch die belangte Behörde ausgegangen sei. "Unabhängig davon", daß somit davon auszugehen sei, daß eine räumliche Verbindung nicht vorliege, verweise Paragraph 3, Absatz 7, der Sperrzeitenverordnung auf die Bestimmungen des Ladenschlußgesetzes, dessen Paragraph 8, Absatz 3, auf die Möglichkeit oder Zumutbarkeit einer räumlichen Trennung von Verkaufseinrichtungen abstelle. Da die räumliche Trennung für die Betriebsstätte der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, könne "nach Maßgabe des Absatz 3, des Paragraph 8, des Ladenschlußgesetzes" der Gast- und Schankgewerbebetrieb "zu den für diesen zulässigen Geschäftsstunden betrieben werden". Dies ergebe zumindest eine analoge Anwendung des Paragraph 8, Absatz 3, Ladenschlußgesetz. Dem Gebot des Paragraph 8, Absatz 2, Ladenschlußgesetz habe die Beschwerdeführerin jedenfalls schon dadurch entsprochen, daß "eine räumliche Trennung im Sinne einer Separierung der Warengruppen ohnedies vorgenommen" worden sei.

Die Beschwerde erweist sich aus folgenden Gründen als berechtigt:

Gemäß Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 3, des Sonn- und Feiertags-Betriebszeitengesetzes ist der Betrieb eines Gastgewerbes im Rahmen der Sperrzeitenregelungen des Paragraph 198, GewO 1973 an Sonn- und Feiertagen zulässig und es dürfen gemäß Paragraph 2, Absatz 2, dieses Gesetzes Betriebsstätten für die Ausübung dieser Tätigkeiten offen gehalten werden. Wird ein Gastgewerbe an Sonn- und Feiertagen entgegen Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 3, leg. cit. nicht im Rahmen der Sperrzeitenregelungen gemäß Paragraph 198, GewO 1973 betrieben, so ist gemäß Paragraph 4, Absatz 2, leg. cit. diese Tat nach den für Übertretungen der betreffenden Sperrzeitenregelungen bestehenden Strafbestimmungen der Gewerbeordnung 1973 zur ahnden. Damit wird in Ansehung von Verstößen gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes zur Gänze auf die Strafnormen der Gewerbeordnung 1973 verwiesen und es ist daher Paragraph 368, Ziffer 11, i. römisch fünf.m. Paragraph 198, Absatz 2, GewO 1973 in Verbindung mit der in Betracht kommenden Sperrzeitenverordnung maßgeblich.

Gemäß Paragraph 44 a, Ziffer 2, VStG hat der Spruch eines Straferkenntnisses, wenn er nicht auf Einstellung lautet, die Verwaltungsvorschrift zu enthalten, die durch die Tat verletzt worden ist. Dem Bescheid ist daher nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergleiche dazu die bei Hauer-Leukauf, Handbuch des österreichischen Verwaltungsverfahrens4, S. 968) mit einer inhaltlichen Rechtswidrigkeit belastet, wenn im Spruch ein Sachverhalt einem Straftatbestand unterstellt wird, der durch die Tat nicht verletzt wurde.

Im angefochtenen Bescheid wird als - durch das Verhalten der Beschwerdeführerin - verletzte Verwaltungsvorschrift Paragraph 368, Ziffer 11, GewO 1973 in Verbindung mit Paragraph 198, Absatz 2, leg. cit. in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz 2 und Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 3, Sonn- und Feiertags-Betriebszeitengesetz i. römisch fünf.m. Paragraph 3, Absatz 7, Sperrzeitenverordnung 1975 in der Fassung Landesgesetzblatt 27 aus 1991,, in Verbindung mit Paragraph eins, Absatz eins, Tiroler Öffnungszeitenverordnung 1990 in Verbindung mit Paragraph 3, Absatz eins, bzw. 3a Absatz 2, Öffnungzeitengesetz in Verbindung mit Paragraph 370, Absatz 2, GewO 1973 genannt. Es trat jedoch Paragraph 3, Absatz 7, der Sperrzeitenverordnung 1975, in der Fassung Landesgesetzblatt 27 aus 1991, zufolge seinem Artikel römisch zwei, erst mit 1. April 1991 in Kraft und es konnte daher diese Bestimmung alleine gemäß Paragraph eins, Absatz eins, VStG auf das der Beschwerdeführerin als fortgesetztes Delikt zur Last gelegte Verhalten nicht zur Anwendung kommen.

Da die belangte Behörde dies verkannte, belastete sie den angefochtenen Bescheid mit Rechtswidrigkeit seines Inhaltes.

Der angefochtene Bescheid war daher schon aus diesem Grunde wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes gemäß Paragraph 42, Absatz 2, Ziffer eins, VwGG aufzuheben, ohne daß auf das weitere Beschwerdevorbringen eingegangen werden mußte.

Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet sich auf die Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit der Verordnung Bundesgesetzblatt Nr. 416 aus 1994,.

Das die Stempelgebühren betreffende Mehrbegehren wird abgewiesen, da die eingebrachte Beschwerde mit insgesamt lediglich S 480,-- Bundesstempelmarken zu vergebühren war.

Schlagworte

Allgemein

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:1994:1993040045.X00

Im RIS seit

20.09.2001

Zuletzt aktualisiert am

05.11.2008

Dokumentnummer

JWT_1993040045_19940628X00