Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

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Entscheidungstext 92/09/0185

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

92/09/0185

Entscheidungsdatum

04.11.1992

Index

10/07 Verwaltungsgerichtshof;
40/01 Verwaltungsverfahren;
60/04 Arbeitsrecht allgemein;
62 Arbeitsmarktverwaltung;

Norm

AuslBG §28 Abs1 Z1 lita idF 1990/450;
AVG §66 Abs4;
VwGG §42 Abs2 Z1;
  1. AuslBG § 28 heute
  2. AuslBG § 28 gültig ab 07.08.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 81/2026
  3. AuslBG § 28 gültig von 01.07.2020 bis 06.08.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2020
  4. AuslBG § 28 gültig von 01.10.2017 bis 30.06.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 66/2017
  5. AuslBG § 28 gültig von 14.08.2015 bis 30.09.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 113/2015
  6. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2014 bis 13.08.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 72/2013
  7. AuslBG § 28 gültig von 01.07.2011 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 25/2011
  8. AuslBG § 28 gültig von 01.09.2009 bis 30.06.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 91/2009
  9. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2008 bis 31.08.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 78/2007
  10. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 103/2005
  11. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2005
  12. AuslBG § 28 gültig von 01.05.2004 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 28/2004
  13. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2003 bis 30.04.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 160/2002
  14. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2003 bis 02.12.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 126/2002
  15. AuslBG § 28 gültig von 03.12.2002 bis 31.12.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 160/2002
  16. AuslBG § 28 gültig von 01.07.2002 bis 02.12.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/2002
  17. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2002 bis 30.06.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 136/2001
  18. AuslBG § 28 gültig von 01.01.2000 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 120/1999
  19. AuslBG § 28 gültig von 25.11.1999 bis 31.12.1999 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 199/1999
  20. AuslBG § 28 gültig von 01.01.1998 bis 24.11.1999 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 78/1997
  21. AuslBG § 28 gültig von 01.06.1996 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 895/1995
  22. AuslBG § 28 gültig von 01.01.1996 bis 31.05.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 895/1995
  23. AuslBG § 28 gültig von 01.07.1994 bis 31.12.1995 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 314/1994
  24. AuslBG § 28 gültig von 01.01.1993 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 19/1993
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Hoffmann und die Hofräte Dr. Fürnsinn und Dr. Germ als Richter, im Beisein des Schriftführers Kommissär Mag. Fritz, über die Beschwerde des Landesarbeitsamtes Wien, gegen den Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenates Wien vom 4. Mai 1992, Zl. UVS - 04/23/155/91, betreffend Bestrafung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz (mitbeteiligte Partei: O in W, zu Handen Dr. römisch fünf, Rechtsanwalt in W; weitere Partei:

Bundesminister für Arbeit und Soziales), zu Recht erkannt:

Spruch

Der angefochtene Bescheid wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Begründung

Mit Bescheid des Magistrats der Stadt Wien vom 6. Mai 1991 wurde der Mitbeteiligte als nach Paragraph 9, VStG Verantwortlicher für eine Baufirma zu einer Geldstrafe von S 21.000,-- wegen Übertretung nach Paragraph 28, Absatz eins, Ziffer eins, Litera a, in Verbindung mit Paragraph 3, Absatz eins, des Ausländerbeschäftigungsgesetzes (AuslBG) verurteilt, weil sein Unternehmen am 1. März 1991 auf einer Baustelle in W drei namentlich genannte polnische Staatsangehörige als Fliesenleger beschäftigt habe, obwohl für diese Ausländer weder eine gültige Beschäftigungsbewilligung erteilt worden sei noch ihnen ein Befreiungsschein oder eine gültige Arbeitserlaubnis ausgestellt worden sei.

Auf Grund der vom Mitbeteiligten dagegen erhobenen Berufung hat die belangte Behörde mit dem nunmehr angefochtenen Bescheid vom 4. Mai 1992 den erstinstanzlichen Bescheid gemäß Paragraph 66, Absatz 4, AVG behoben. Sie begründete den angefochtenen Bescheid, ohne auf die Sache weiter einzugehen, damit, daß die Behörde erster Instanz für das angelastete Beschäftigen von drei Ausländern nur EINE Geldstrafe verhängt habe, obwohl das AuslBG für jeden unberechtigt beschäftigten Ausländer eine eigene Strafdrohung aufstelle. Es wären daher dem Mitbeteiligten drei Verwaltungsübertretungen zur Last zu legen und dafür drei gesonderte Strafen zu verhängen gewesen. Auf Grund der Aufhebung könne nun die Erstbehörde ein dem Paragraph 22, Absatz eins, VStG entsprechendes Straferkenntnis erlassen.

Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende, auf Paragraph 28 a, AuslBG in der Fassung gemäß der Novelle Bundesgesetzblatt Nr. 450 aus 1990, gestützte Amtsbeschwerde, in welcher inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend gemacht wird.

Die belangte Behörde hat die Akten des Verwaltungsverfahrens vorgelegt, sie hat aber ebenso wie der Mitbeteiligte von der Erstattung einer Gegenschrift abgesehen.

Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:

Gemäß Paragraph 28, Absatz eins, Ziffer eins, Litera a, AuslBG in der auf Grund der Tatzeit (1. März 1991) im Beschwerdefall anzuwendenden Fassung gemäß der Novelle Bundesgesetzblatt Nr. 450 aus 1990, begeht, soferne die Tat nicht den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet, eine Verwaltungsübertretung und ist von der Bezirksverwaltungsbehörde zu bestrafen, wer entgegen dem Paragraph 3, einen Ausländer beschäftigt, für den weder eine Beschäftigungsbewilligung (Paragraph 4,) erteilt noch eine Arbeitserlaubnis (Paragraph 14 a,) oder ein Befreiungsschein (Paragraph 15,) ausgestellt wurde, und zwar bei unberechtigter Beschäftigung von höchstens drei Ausländern (wie im Beschwerdefall, der kein Wiederholungsfall ist) für jeden unberechtigt beschäftigten Ausländer mit Geldstrafe von S 5.000,-- bis zu S 60.000,--.

Hat jemand durch verschiedene selbständige Taten mehrere Verwaltungsübertretungen begangen oder fällt eine Tat unter mehrere einander nicht ausschließende Strafdrohungen, so sind gemäß Paragraph 22, Absatz eins, VStG die Strafen nebeneinander zu verhängen.

Die belangte Behörde hat zutreffend erkannt, daß das AuslBG (seit der Novelle Bundesgesetzblatt Nr. 231 aus 1988,) für jeden unberechtigt beschäftigten Ausländer eine eigene Strafdrohung aufstellt vergleiche dazu das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Mai 1992, Zl. 92/09/0015, und die dort angeführte Vorjudikatur), weshalb es nicht dem Gesetz entsprochen hat, daß die Strafbehörde erster Instanz im Spruch ihres Bescheides für die unerlaubte Beschäftigung der drei Polen nur eine Geldstrafe in der Höhe von insgesamt S 21.000,-- verhängte. Aus der Begründung des erstinstanzlichen Bescheides ergibt sich dazu, daß ohnehin beabsichtigt war, die Strafhöhe "mit S 7.000,-- je Ausländer nahe dem Mindestsatz" (von S 5.000,--) zu bemessen.

Aber auch abgesehen von der Frage, ob der erstinstanzliche Bescheidspruch nicht aus dieser Begründung heraus ohnehin als dem Gesetz entsprechend ausgelegt werden könnte, hat die belangte Behörde die Rechtslage insofern verkannt, als sie meinte, den von ihr wahrgenommenen, in erster Instanz unterlaufenen Fehler im Berufungsverfahren nicht beheben zu können. Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergleiche dazu etwa das Erkenntnis vom 23. April 1986, Zl. 85/03/0171, und die dort angeführte Vorjudikatur) ist die Berufungsbehörde, wenn der Abspruch der ersten Instanz fehlerhaft ist, nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, dies in ihrem Abspruch richtigzustellen. Naturgemäß ist die Berufungsbehörde dabei auf die "Sache" des bei ihr anhängigen Verfahrens - im Beschwerdefall war die dem Mitbeteiligten im Strafverfahren erster Instanz zur Last gelegte Tat und die dafür ausgesprochene Bestrafung - beschränkt.

Die belangte Behörde hat die mit dem angefochtenen Bescheid ausgesprochene Behebung des erstinstanzlichen Bescheides auf den gemäß Paragraph 24, VStG auch im Verwaltungsstrafverfahren geltenden Paragraph 66, Absatz 4, AVG gestützt und dabei übersehen, daß sie gerade nach dieser Gesetzesstelle verpflichtet war, in der Sache selbst zu entscheiden, und daß diese Gesetzesstelle ausdrücklich die Berechtigung der Berufungsbehörde normiert, sowohl im Spruch als auch hinsichtlich der Begründung (Paragraph 60,) ihre Anschauung an die Stelle jener der Unterbehörde zu setzen und demgemäß den (bei ihr) angefochtenen Bescheid nach jeder Richtung abzuändern.

Der angefochtene Bescheid erweist sich daher als im Sinne der zutreffenden Beschwerdeausführungen als inhaltlich rechtswidrig; er war deshalb gemäß Paragraph 42, As. 2 Ziffer eins, VwGG aufzuheben.

Schlagworte

Beschränkungen der Abänderungsbefugnis Beschränkung durch die Sache Besondere Rechtsprobleme Verfahrensrechtliche Entscheidung der Vorinstanz (siehe auch Inhalt der Berufungsentscheidung Anspruch auf meritorische Erledigung) Besondere verfahrensrechtliche Aufgaben der Berufungsbehörde Spruch des Berufungsbescheides Umfang der Abänderungsbefugnis Allgemein bei Einschränkung der Berufungsgründe beschränkte Parteistellung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:1992:1992090185.X00

Im RIS seit

04.11.1992

Dokumentnummer

JWT_1992090185_19921104X00

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