Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für 2012/03/0102

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 18726 A/2013

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

2012/03/0102

Entscheidungsdatum

23.10.2013

Index

E000 EU- Recht allgemein
E6J

Norm

62005CJ0305 Ordre des barreaux francophones et germanophone VORAB;
62008CJ0341 Petersen VORAB;
62010CJ0188 Melki und Abdeli VORAB;
62010CJ0606 ANAFE VORAB;
62010CJ0617 Aklagaren / Fransson VORAB;
62011CJ0042 Lopes Da Silva Jorge VORAB;
EURallg;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): 2012/03/0103 E 23. Oktober 2013

Rechtssatz

Ist es nicht möglich, die volle Wirksamkeit des Unionsrechts im Wege einer unionsrechtskonformen Auslegung des Rechts des Mitgliedstaates sicherzustellen (Hinweis Urteil des EuGH (Große Kammer) vom 26. Juni 2007, Ordre des barreaux francophones et germanophone, Rs C-305/05, Slg 2007, I-5335, Rz 28; Urteil des EuGH vom 21. Dezember 2011, N.S., verb Rs C-411/10 und C-493/10, Rz 77; zu den Grenzen dieser Auslegung Urteil des EuGH (Große Kammer) vom 5. September 2012, Lopes Da Silva Jorge, Rs C-42/11, Rz 55), so hat ein innerstaatliches Gericht für die volle Wirksamkeit dieser Normen Sorge zu tragen, indem es erforderlichenfalls jede (auch spätere) entgegenstehende Bestimmung des nationalen Rechts aus eigener Entscheidungsbefugnis unangewendet lässt, ohne dass es die vorherige Beseitigung dieser Bestimmung auf gesetzgeberischem Wege oder durch irgendein verfassungsrechtliches Verfahren beantragen oder abwarten müsste (Hinweis Urteil des EuGH (Große Kammer) vom 22. Juni 2010, Melki und Abdeli, verb Rs C-188/10 und C-189/10, Slg 2010, I-5701, Rz 43; Urteil des EuGH (Große Kammer) vom 26. Februar 2013, Åkerberg Fransson, Rs C-617/10, Rz 45). Alle Träger der Verwaltung (einschließlich der Gemeinden und der sonstigen Gebietskörperschaften) haben ebenfalls den Vorrang des Unionsrechts zu beachten, wobei sich der Einzelne ihnen gegenüber auf derartige Normen des Unionsrechts berufen kann und ferner die Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts, die den vorrangigen unionsrechtlichen Normen entgegenstehen, sowohl Rechts- als auch Verwaltungsvorschriften umfassen können (Hinweis Urteil des EuGH vom 12. Jänner 2010, Petersen, Rs C-341/08, Slg 2010, I-47, Rz 80; Urteil des EuGH vom 14. Juni 2012, ANAFE, Rs C-606/10 Rz 75). Auch der VfGH hat ausgesprochen, dass er eine festgestellte Rechtswidrigkeit einer Gesetzesanwendung im Sinne der effektiven Durchsetzung des Unionsrechts in jedem Stadium des Verfahrens (auch dann, wenn die konkrete Auslegung des Unionsrechts erst im Zuge des Verfahrens vor dem VfGH offenkundig wurde) beachtet (Hinweis E vom 29. Juni 2013, U 2465 aus 2012,, mwH).

Gerichtsentscheidung

EuGH 62005CJ0305 Ordre des barreaux francophones et germanophone
VORAB
EuGH 62008CJ0341 Petersen VORAB
EuGH 62010CJ0188 Melki und Abdeli VORAB
EuGH 62010CJ0606 ANAFE VORAB
EuGH 62010CJ0617 Aklagaren / Fransson VORAB
EuGH 62011CJ0042 Lopes Da Silva Jorge VORAB

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Anwendungsvorrang, partielle Nichtanwendung von innerstaatlichem Recht EURallg1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2013:2012030102.X08

Im RIS seit

03.12.2013

Zuletzt aktualisiert am

05.10.2017

Dokumentnummer

JWR_2012030102_20131023X08