Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 12Os48/02 11Os9/06t 13O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0116500

Geschäftszahl

12Os48/02; 11Os9/06t; 13Os62/07b; 12Os95/07y; 14Os68/09w; 13Os152/09s; 14Os143/11b; 14Os39/14p; 15Os55/14y; 12Os47/15a; 14Os55/16v; 12Os61/16m; 12Os27/18i (12Os28/18m)

Entscheidungsdatum

26.06.2002

Norm

StGB §21
StGB §107 Abs2

Rechtssatz

Eine gefährliche Drohung mit dem Tod, die beim Opfer die Besorgnis auslöst, es könnte tatsächlich getötet werden, ist eine Tat mit schweren Folgen und somit als Prognosetat im Sinn des § 21 StGB geeignet.

Entscheidungstexte

  • 12 Os 48/02
    Entscheidungstext OGH 26.06.2002 12 Os 48/02
  • 11 Os 9/06t
    Entscheidungstext OGH 14.03.2006 11 Os 9/06t
    Auch
  • 13 Os 62/07b
    Entscheidungstext OGH 01.08.2007 13 Os 62/07b
    Auch; Beisatz: Hier: Bedrohung von Familienangehörigen. (T1)
  • 12 Os 95/07y
    Entscheidungstext OGH 27.09.2007 12 Os 95/07y
  • 14 Os 68/09w
    Entscheidungstext OGH 21.07.2009 14 Os 68/09w
  • 13 Os 152/09s
    Entscheidungstext OGH 04.03.2010 13 Os 152/09s
  • 14 Os 143/11b
    Entscheidungstext OGH 13.12.2011 14 Os 143/11b
  • 14 Os 39/14p
    Entscheidungstext OGH 06.05.2014 14 Os 39/14p
    Vgl
  • 15 Os 55/14y
    Entscheidungstext OGH 08.07.2014 15 Os 55/14y
    Vgl
  • 12 Os 47/15a
    Entscheidungstext OGH 11.06.2015 12 Os 47/15a
  • 14 Os 55/16v
    Entscheidungstext OGH 02.08.2016 14 Os 55/16v
    Auch
  • 12 Os 61/16m
    Entscheidungstext OGH 14.07.2016 12 Os 61/16m
  • 12 Os 27/18i
    Entscheidungstext OGH 15.03.2018 12 Os 27/18i

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2002:RS0116500

Im RIS seit

26.07.2002

Zuletzt aktualisiert am

02.05.2018

Dokumentnummer

JJR_20020626_OGH0002_0120OS00048_0200000_001

Rechtssatz für 15Os36/05s 13Os46/05x 1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0119858

Geschäftszahl

15Os36/05s; 13Os46/05x; 11Os48/05a; 14Os59/06t (14Os60/06i, 14Os61/06m); 13Os49/07s; 13Os37/09d; 14Os56/09f; 14Os149/09g; 14Os18/12x; 11Os9/13b; 15Os79/13a; 13Os19/13p; 11Os49/15p; 12Os87/15h; 14Os99/16i; 12Os4/18g; 12Os27/18i (12Os28/18m); 12Os98/18f; 15Os132/18b

Entscheidungsdatum

21.04.2005

Norm

GRBG §7 Abs1
GRBG §7 Abs2

Rechtssatz

Nicht jede Grundrechtsverletzung führt zur Aufhebung der mit Grundrechtsbeschwerde angefochtenen Entscheidung. Wird diese nicht aufgehoben, hat das Erstgericht umgehend neuerlich über die Haftfrage zu entscheiden.

Entscheidungstexte

  • 15 Os 36/05s
    Entscheidungstext OGH 21.04.2005 15 Os 36/05s
  • 13 Os 46/05x
    Entscheidungstext OGH 04.05.2005 13 Os 46/05x
    Vgl
  • 11 Os 48/05a
    Entscheidungstext OGH 06.05.2005 11 Os 48/05a
    Auch
  • 14 Os 59/06t
    Entscheidungstext OGH 13.06.2006 14 Os 59/06t
    Auch
  • 13 Os 49/07s
    Entscheidungstext OGH 12.06.2007 13 Os 49/07s
    Auch; Beisatz: Eine Aufhebung der angefochtenen Entscheidung ist nicht angezeigt, wenn dem Obersten Gerichtshof eine abschließende rechtliche Beurteilung auf Grund der ungenügenden Sachverhaltsgrundlagen verwehrt ist. (T1)
  • 13 Os 37/09d
    Entscheidungstext OGH 07.05.2009 13 Os 37/09d
    Auch; Beisatz: Durch die - im Fall des § 7 Abs 2 GRBG mit der Feststellung einer Grundrechtsverletzung von Gesetzes wegen verbundene - Anordnung umgehend erneuter Haftprüfung wird (anders als im Fall der Haftprüfung aufgrund vom Beschuldigten beantragter Freilassung; §§ 175 Abs 5, 176 Abs 1 Z 2 StPO) die Entscheidung einer kassatorischen Erledigung so weit wie möglich angenähert, um das Bemühen der Gerichte, einen Ausgleich für die festgestellte Grundrechtsverletzung zu finden, zu unterstreichen und das Fortwirken der Grundrechtsverletzung zu unterbinden. (T2)
  • 14 Os 56/09f
    Entscheidungstext OGH 26.05.2009 14 Os 56/09f
    Vgl; Beisatz: Hier: Die aufgezeigten Defizite der Sachverhaltsannahmen erfordern eine unverzügliche Klärung der Haftvoraussetzungen im Rahmen einer Haftverhandlung, aber nicht die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses. (T3)
  • 14 Os 149/09g
    Entscheidungstext OGH 15.12.2009 14 Os 149/09g
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 14 Os 18/12x
    Entscheidungstext OGH 21.02.2012 14 Os 18/12x
    Auch
  • 11 Os 9/13b
    Entscheidungstext OGH 24.01.2013 11 Os 9/13b
    Auch; Beis wie T2
  • 15 Os 79/13a
    Entscheidungstext OGH 26.06.2013 15 Os 79/13a
    Auch
  • 13 Os 19/13p
    Entscheidungstext OGH 27.03.2013 13 Os 19/13p
    Auch
  • 11 Os 49/15p
    Entscheidungstext OGH 28.04.2015 11 Os 49/15p
    Auch
  • 12 Os 87/15h
    Entscheidungstext OGH 24.07.2015 12 Os 87/15h
    Auch
  • 14 Os 99/16i
    Entscheidungstext OGH 25.10.2016 14 Os 99/16i
    Auch; Beis wie T1
  • 12 Os 4/18g
    Entscheidungstext OGH 24.01.2018 12 Os 4/18g
    Auch
  • 12 Os 27/18i
    Entscheidungstext OGH 15.03.2018 12 Os 27/18i
    Auch
  • 12 Os 98/18f
    Entscheidungstext OGH 23.08.2018 12 Os 98/18f
    Auch
  • 15 Os 132/18b
    Entscheidungstext OGH 09.10.2018 15 Os 132/18b
    Auch; Beis wie T3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2005:RS0119858

Im RIS seit

21.05.2005

Zuletzt aktualisiert am

14.11.2018

Dokumentnummer

JJR_20050421_OGH0002_0150OS00036_05S0000_001

Entscheidungstext 12Os27/18i (12Os28/18m)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

EvBl‑LS 2018/121 = JBl 2018,604 = JSt‑Slg 2018/45 S 410 (Nimmervoll) - JSt‑Slg 2018,410 (Nimmervoll) = AnwBl 2018/289 S 784 - AnwBl 2018,784

Geschäftszahl

12Os27/18i (12Os28/18m)

Entscheidungsdatum

15.03.2018

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 15. März 2018 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Schroll als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte und die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. T. Solé, Dr. Oshidari, Dr. Michel-Kwapinski und Dr. Brenner in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Ettel als Schriftführerin im Verfahren zur Unterbringung des Christian H***** in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nach § 21 Abs 1 StGB, AZ 21 Hv 4/18m des Landesgerichts für Strafsachen Wien, über die von der Generalprokuratur gegen den Beschluss vom 15. Jänner 2018 und einen weiteren Vorgang in diesem Verfahren erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Dr. Janda, zu Recht erkannt:

Spruch

 

Im Verfahren AZ 354 HR 358/17x (nunmehr AZ 21 Hv 4/18m) des Landesgerichts für Strafsachen Wien verletzen

1./ die Unterlassung der Anhörung des Betroffenen vor der zu 2./ genannten Beschlussfassung § 6 Abs 2 erster Satz StPO und § 434 Abs 1 erster und dritter Satz StPO;

2./ der Beschluss vom 15. Jänner 2018 (ON 30) § 429 Abs 5 StPO iVm §§ 174 Abs 3 Z 2 und 4, 176 Abs 4 letzter Satz StPO und § 21 Abs 1 StGB.

Gemäß § 292 letzter Satz StPO wird dieser Beschluss aufgehoben und dem Erstgericht die unverzügliche Klärung der Voraussetzungen für die vorläufige Anhaltung des Betroffenen unter Gewährung rechtlichen Gehörs aufgetragen.

Text

Gründe:

Mit Beschluss der Einzelrichterin (im Ermittlungsverfahren AZ 354 HR 358/17x) des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 6. Dezember 2017 (ON 7 S 5 und ON 8 in AZ 21 Hv 4/18m des genannten Gerichts) wurde über Christian H***** – soweit hier noch von Relevanz – wegen des dringenden Verdachts des Verbrechens der schweren Nötigung nach den §§ 15 Abs 1, 105 Abs 1, 106 Abs 1 Z 1 erster Fall StGB sowie der Vergehen der gefährlichen Drohung nach § 107 Abs 1 und Abs 2 StGB, des Widerstands gegen die Staatsgewalt nach den §§ 15 Abs 1, 269 Abs 1 erster Fall StGB und der schweren Körperverletzung nach den §§ 84 Abs 2, 15 Abs 1 StGB die Untersuchungshaft aus dem Haftgrund der Tatbegehungsgefahr nach § 173 Abs 2 Z 3 lit b StPO – unter ausdrücklicher Verneinung jenes nach § 173 Abs 2 Z 3 lit a StPO (ON 8 S 4 zweiter Absatz) – verhängt.

Nach Durchführung einer Haftverhandlung setzte die Einzelrichterin des Landesgerichts für Strafsachen Wien die Untersuchungshaft mit Beschluss vom 20. Dezember 2017 aus dem genannten Haftgrund (unter neuerlicher Verneinung der Annahme von Tatbegehungsgefahr nach § 173 Abs 2 Z 3 lit a StPO [ON 18 S 4]) fort (ON 17 S 3 und ON 18).

Der dagegen gerichteten Beschwerde des Beschuldigten (ON 19) gab das Oberlandesgericht Wien mit Beschluss vom 5. Jänner 2018, AZ 131 Bs 378/17a, nicht Folge und setzte die Untersuchungshaft aus dem Grund der Tatbegehungsgefahr nach § 173 Abs 2 Z 3 lit b StPO bis 5. März 2018 fort (ON 26).

In ihrem am 12. Jänner 2018 bei der Staatsanwaltschaft Wien eingelangten Gutachten führte die im Ermittlungsverfahren bestellte (ON 6 samt Ergänzungen ON 15 und ON 22) Sachverständige aus den Fachgebieten der Psychiatrie und Neurologie Dr. Elisabeth L***** aus, dass beim Beschuldigten eine psychiatrische Erkrankung im Sinne einer schizoaffektiven Störung bestehe, sich dieser zu allen im Verfahren relevanten Tatzeitpunkten in einem akut manisch-psychotischen Zustandsbild befunden habe, wodurch er weder in der Lage gewesen sei, das Unrecht seines Handelns zu erkennen noch sein Verhalten vernunftgemäß zu steuern, womit aus psychiatrischer Sicht die Voraussetzungen nach § 11 StGB vorgelegen seien. Ohne ausreichende Behandlung sei weiters davon auszugehen, dass der Beschuldigte in naher Zukunft Straftaten mit schweren Folgen – „wie zum Beispiel gefährliche Drohungen, schwere Nötigung oder Körperverletzung“ – begehen werde, weshalb aus fachärztlicher Sicht auch die „Voraussetzungen für § 21 Abs 1 StGB“ vorlägen (ON 28 S 27 f).

Mit am 15. Jänner 2018 bei Gericht eingelangtem Antrag begehrte die Staatsanwaltschaft Wien die Umwandlung der über den Beschuldigten verhängten Untersuchungshaft in eine vorläufige Anhaltung gemäß § 429 Abs 4 StPO (ON 1 S 27).

Mit – ohne vorangegangener mündlicher (Haft-)Verhandlung gefasstem – Beschluss vom 15. Jänner 2018 (ON 30) wandelte die Einzelrichterin „die mit 5. März 2018 befristete Untersuchungshaft des Beschuldigten“ – ohne diesen und seinen Verteidiger zu hören – in eine vorläufige Anhaltung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher gemäß § 429 Abs 4 StPO iVm § 173 Abs 1 und 2 Z 3 lit b StPO um und verwies dazu auf das Gutachten der oben genannten Sachverständigen, welches „dem Beschuldigten die Voraussetzungen der §§ 11, 21 Abs 1 StGB“ bescheinige, sowie auf den genannten Beschluss des Oberlandesgerichts Wien, der bestätige, dass der Haftgrund der Tatbegehungsgefahr nach wie vor vorliege (ON 30 S 2 f).

Nachdem die Staatsanwaltschaft Wien am 16. Jänner 2018 die Zustellung einer Ausfertigung des Gutachtens der oben genannten Sachverständigen an den Verteidiger verfügt (ON 1 S 29) und diese am 17. Jänner 2018 (telefonisch) ergänzend zu wahrscheinlichen Prognosetaten iSd § 21 Abs 1 StGB befragt (vgl den Amtsvermerk vom selben Tage ON 1 S 31) hatte, brachte die Anklagebehörde am 19. Jänner 2018 beim Landesgericht für Strafsachen Wien einen Antrag auf Unterbringung des Betroffenen in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nach § 21 Abs 1 StGB ein (ON 34).

Über den dagegen gerichteten Einspruch des Betroffenen (§ 212 StPO iVm § 429 Abs 1 StPO; ON 38) hat das Oberlandesgericht Wien (zu AZ 131 Bs 29/18d) noch nicht entschieden.

 

Rechtliche Beurteilung

Wie die Generalprokuratur in ihrer Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes zutreffend ausführt, steht die Vorgangsweise des Landesgerichts für Strafsachen Wien im Verfahren AZ 354 HR 358/17x (nunmehr AZ 21 Hv 4/18m) mit dem Gesetz nicht in Einklang:

1./ Die Bestimmung des § 434 Abs 1 erster und dritter Satz StPO, welche den Übergang von einem Strafverfahren zu einem Unterbringungsverfahren und umgekehrt ermöglicht, ist auch dann sinngemäß anzuwenden, wenn sich die Zurechnungsunfähigkeit des dringend Tatverdächtigen auf Grund einer geistigen oder seelischen Abartigkeit höheren Grades erst nach vorangegangener Verhängung der Untersuchungshaft im Zuge des Ermittlungsverfahrens (wie hier auf Grund des Gutachtens einer Sachverständigen aus den Fachgebieten der Psychiatrie und Neurologie) ergibt und die übrigen Voraussetzungen des § 21 StGB vorliegen (RIS-Justiz RS0122048).

Die Umwandlung der Untersuchungshaft in eine vorläufige Anhaltung nach § 429 Abs 4 und Abs 5 StPO erfordert (neben dem Vorliegen der materiellen Voraussetzungen der vorläufigen Maßnahme [vgl dazu Murschetz, WK-StPO § 429 Rz 19]), dass die im Interesse des Betroffenen und mit Rücksicht auf die Schwere und Dauer der Unterbringung geschaffenen, schon im Ermittlungsverfahren zu berücksichtigenden Besonderheiten, die neben den in § 429 Abs 2 StPO genannten Voraussetzungen auch die nach § 434 Abs 1 erster und dritter Satz StPO gebotene Anhörung der Parteien zu der in Betracht gezogenen Maßnahme umfassen (11 Os 50/07y), beachtet wurden.

Die Beschlussfassung über die Umwandlung der Untersuchungshaft in eine vorläufige Anhaltung ohne vorangehende Anhörung des Betroffenen verletzt dessen rechtliches Gehör (§ 6 Abs 2 erster Satz StPO).

2./ Die vorläufige Anhaltung des Betroffenen setzt – neben dem Vorliegen in § 429 Abs 4 StPO genannter Anhaltegründe – eine qualifizierte Verdachtslage für das Vorliegen der Voraussetzungen des § 21 Abs 1 StGB voraus. Daraus folgt, dass ein Beschluss, mit dem eine derartige Maßnahme angeordnet wird, entsprechende Verdachtsannahmen (nicht nur zu Anlasstaten, sondern auch) zu Prognosetaten iSd § 21 Abs 1 StGB zu enthalten hat (12 Os 116/14x; Murschetz, WK-StPO § 429 Rz 19; § 429 Abs 5 StPO iVm §§ 174 Abs 3 Z 2 und Z 4, 176 Abs 4 letzter Satz StPO).

Soweit der Beschluss der Einzelrichterin des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 15. Jänner 2018 (ON 30) lediglich darauf verweist, dass nach dem Gutachten der Sachverständigen aus den Fachgebieten der Psychiatrie und Neurologie vom 8. Jänner 2018 „die Voraussetzungen für § 21 Abs 1 StGB vorlägen“ (BS 2), mangelt es an hinreichenden konkreten Feststellungen zu einer qualifizierten Verdachtslage in Ansehung der Befürchtung, der Betroffene werde unter dem Einfluss seiner geistigen oder seelischen Abartigkeit von höherem Grad eine mit Strafe bedrohte Handlung mit schweren Folgen begehen (vgl RIS-Justiz RS0118581), zumal auch diesem Gutachten bloß zu entnehmen ist, dass „Straftaten [wie] gefährliche Drohungen, [nicht näher spezifizierte] schwere Nötigung oder Körperverletzung“ zu befürchten seien (ON 28 S 27 f).

Bleibt in diesem Zusammenhang klarstellend anzumerken, dass gefährliche Drohungen mit dem Tod (iSd § 107 Abs 2 erster Fall StGB und § 106 Abs 1 Z 1 erster Fall StGB), die beim Opfer die Besorgnis auslösen, es könnte tatsächlich getötet werden, geeignete Prognosetaten nach § 21 Abs 1 StGB darstellen (RIS-Justiz RS0116500; vgl im Übrigen auch ON 1 S 31).

3./ Die aufgezeigten Rechtsfehler gereichen dem Betroffenen zum Nachteil, weshalb der Oberste Gerichtshof sich veranlasst sah, der Nichtigkeitsbeschwerde gemäß § 292 letzter Satz StPO konkrete Wirkung zuzuerkennen und dem Erstgericht die unverzügliche Klärung der Voraussetzungen für die vorläufige Anhaltung des Betroffenen (vgl RIS-Justiz RS0119858) aufzutragen.

Dabei wird das Gericht im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens zu klären haben, ob das in § 434 Abs 1 StPO eingeräumte rechtliche Gehör (§ 6 StPO) im Rahmen einer Haftverhandlung oder in einer sonst geeigneten Weise zu gewähren ist (aM Nimmervoll Strafverfahren² Kap III Rz 733 f [„zwingend abzuhaltende Haftverhandlung“]; ders Haftrecht² 320 mit Rekurs auf die – die gegenständliche Frage nicht ansprechende – E 11 Os 50/17y, SSt 2007/39).

Textnummer

E121119

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2018:0120OS00027.18I.0315.000

Im RIS seit

11.04.2018

Zuletzt aktualisiert am

20.12.2018

Dokumentnummer

JJT_20180315_OGH0002_0120OS00027_18I0000_000